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Steuergünstige Zuwendungen, ein „Muss“ bei der Vergütungsgestaltung

10-08-2016 16:48

Die Möglichkeiten

Steuergünstige Zuwendungen sind an vielen Stellen im Steuer- und Sozialversicherungsrecht festgeschrieben. So unterscheidet man  Zuwendungen, die im Interesse des Arbeitgebers liegen, und daher grundsätzlich kein Lohn sind (Beispiele: die üblichen 2 Betriebsveranstaltungen zur Förderung der innerbetrieblichen Kommunikation, der Ersatz von Auslagen wie z.B. Fahrtkosten, Fortbildungskosten u.ä. , die Bewirtung von Mitarbeitern anlässlich Teambesprechungen oder Fortbildung). Dann gibt es die steuerfreien und pauschal versteuerten  Zuwendungen (Beispiele: Aufmerksamkeiten zu persönlichen Anlässen wie Geburtstag, Hochzeit usw. als Sachgeschenke bis 60 €, regelmäßige Sachbezüge bis 44 € monatlich, die Gestellung von Telefon- und Internetgeräten mit Übernahme aller Kosten, Erstattung der Pendlerpauschale, Erholungsbeihilfen anlässlich eines Urlaubs und die regelmäßige Gestellung von Mahlzeiten).

Die Vorteile liegen auf der Hand: der Mitarbeiter erhält die Zuwendungen brutto für netto. Die Abgaben des Arbeitgebers vermindern sich um die hälftige Sozialversicherung und erhöhen sich allenfalls um die pauschale Steuer auf den Nettobetrag.


Beispiel: Ein Nettogehalt von 40 € monatlich bedeutet in der Regel ein Brutto von 80 €. Der Arbeitgeberaufwand beträgt einschließlich Sozialversicherung dann rund 100 €. Durch einen regelmäßigen Sachbezug von 40 € (Tank- oder Einkaufsgutschein) sinkt der Aufwand monatlich um 60 € pro Mitarbeiter. Da kommt ordentlich Geld zusammen!


Fragen Sie ab, was für den Mitarbeiter in Frage kommt

Aus der Vielzahl der Vorschriften sind einige auf spezielle Situationen zugeschnitten, zum Beispiel die Übernahme der Kindergartenbeiträge, oder der Fortbildungs- und Reisekosten.


Andere Zuwendungen „passen“ als Dauerzuwendung zu jedem Arbeitsvertrag, insbesondere regelmäßige Sachbezüge bis 44 € monatlich. Da es sich um eine Freigrenze handelt, muss der Praxisinhaber immer gedanklich die Gestellung von Getränken und eventuell Brötchen, Süßigkeiten usw. vom Höchstbetrag kürzen. Erleichtert wird die Anwendung aber durch die Möglichkeit, monatliche Wert-Gutscheine anstelle der Sache zu geben, oder auch bei Vorlage des Belegs den Betrag aus der Kasse zu erstatten.

Auch die Übernahme der Telekommunikationskosten kann ein erhebliches Bruttogehalt ersetzten. Wenn das Gerät selbst von der Praxis gestellt wird, gibt es für die Kostenübernahme des Mitarbeiters und seiner Angehörigen keine Obergrenze.


Beispiel: Praxismitarbeiterin Sommer erhält für sich, ihren Ehemann und ihren Sohn je ein Smartphone zur Benutzung. Die Kosten aus drei Verträgen von 90 € monatlich werden auf Nachweis über die Lohnabrechnung ausgezahlt. Der Arbeitgeberaufwand betrüge bei 90 € netto rund 220 €. So werden 130 € monatlich gespart.

 

Auch Gesundheitsförderung in der Praxis kann sinnvoll sein. Bis zu einem Betrag von 500 € je Jahr und Arbeitnehmer können Bar- oder Sachleistungen für gesundheitsfördernde Maßnahmen gesponsert werden. Einzige Voraussetzung ist ab 25.07.15 die Zertifizierung der Angebote durch die Krankenkassen.

Anstelle von einmaligen Zahlungen wie Boni, Prämien oder Weihnachtsgeld eignet sich die Überlassung von Telekommunikationsgeräten wie Smartphone oder Notebook (steuerfrei), die Erholungsbeihilfe oder auch ein Sachgeschenk. Letzteres ist allerdings mit 30 % pauschal versteuert und sozialversicherungspflichtig, aber immer noch um gut 20 % günstiger für den Arbeitgeber als Barlohn.


Gehaltsumwandlung ist möglich

Kann man ein zugesagtes Bruttogehalt durch steuergünstige Zuwendungen ersetzen, und damit Lohnsteuer und Abgaben sparen? Diese Frage hat in der Vergangenheit erhebliche Diskussionen ausgelöst.

 

Inzwischen ist die Möglichkeit der Gehaltsumwandlungen sowohl für die Lohnsteuer wie auch für die Sozialversicherung geklärt. So hat gerade das Landessozialgericht Baden-Württemberg (Urteil vom 10.05.2016, Az. L 11 R 4048/15) entschieden, dass die Änderung der Arbeitsverträge wirksam und auch für das Beitragsrecht der Sozialversicherung zu beachten ist. „Soweit nach den beitragsrechtlichen Vorschriften die Arbeitgeberleistungen nicht zum Arbeitsentgelt gehören (z.B. Erholungsbeihilfen) oder bereits mit den richtigen Sachbezugswerten verbeitragt worden sind (z.B. Restaurantschecks), dürfen keine weiteren Sozialversicherungsbeiträge nachgefordert werden.“ Zur Lohnsteuer siehe zum Beispiel Verfügung der Oberfinanzdirektion Nordrhein-Westfalen vom 09.07.2015 Kurzinfo LSt 05/2015)

 

Generell können Bruttogehälter für die Zukunft durch Vereinbarung mit dem Arbeitnehmer in steuergünstige Zuwendungen umgewandelt werden. Ausgenommen sind nur wenige Zuwendungen, die nach der Gesetzgebung „zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn“ gezahlt werden:  Dies sind die steuerfreien Kindergartenzuschüsse, die Zuschüsse zur Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands und der betrieblichen Gesundheitsförderung, die Erstattung der Pendlerpauschale und die Schenkung von Datenverarbeitungsgeräten samt Zubehör und Zuschüsse für die Internetnutzung.

 

Beispiel:

Die Mitarbeiterin verzichtet im Januar schriftlich auf das 13. Gehalt von 1.300 € und erhält statt dessen einen monatlichen Einkaufsgutschein im Werte von 40 € (x 12 = 480 €), ein Smartphone zur Benutzung (sagen wir 500 €) und die Übernahme der monatlichen Telefonkosten von 25 € (x12 = 300 €). Sie erspart sich dadurch eigene Abgaben von rund 650 €, der Praxisinhaber spart seinen Anteil an der Sozialversicherung von noch mal rd 260 €.

 

Vorsicht Mindestlohn

Die genannten Zuwendungen werden leider nicht auf den Mindestlohn von derzeit 8,50 € pro Stunde (ab 2017 8,84 €) angerechnet. Der verbleibende Bruttolohn muss diese Grenze überschreiten. Vorsicht ist  vor allem beim Minijob geboten. Denn die meisten der genannten Zuwendungen können über die 450 € Grenze hinaus gewährt werden.

 

Beispiel: 11 vereinbarte Wochenstunden bedeuten bei 450 € monatlich einen Stundenlohn von 9,45 € (450/4,33 Wochen/11 Stunden ). Soll die Stundenzahl erhöht und dies durch steuerfreie Zuwendungen ausgeglichen werden, so sinkt der anrechenbare Lohn unter 8,50 € bzw. 8,84 €. Durch den Anspruch auf Mindestlohn würde der Minijob sozialversicherungspflichtig!

 

 

Auswirkung auf Krankengeld, Elterngeld und Rente

Eine Bruttolohnumwandlung hat Folgen für Lohnersatzleistungen: Bei Krankheit, Arbeitslosigkeit, Mutterschutz oder Elterngeld ist der Lohnersatz wegen der geringeren beitragspflichtigen Entgelte auch niedriger. Auch wird nicht für die Rente angespart. Denn maßgeblich ist das während der regelmäßigen Arbeitszeit zustehende Arbeitsentgelt. Zumindest für die Altersversorgung kann der Nachteil durch eine Direktversicherung oder sonstige betriebliche Altersversorgung gut ausgeglichen werden.

 

Die Ersparnis der Praxis zählt

Gehaltsaufwendungen kosten in der Regel um die 30 % von den Honorareinnahmen einer Arzt- oder Zahnarztpraxis. Es ist daher für jeden Praxisinhaber „ein Muss“, über eine Minderung dieses Aufwands nachzudenken, und Nettolohn und Motivation der Mitarbeiter zu erhalten. Im vorbereitenden Gespräch mit dem Steuerbüro müssen die Voraussetzungen und die Dokumentation für Lohnsteuer und Sozialversicherung geklärt werden, damit nichts schief geht. Von den zahlreichen Möglichkeiten der steuergünstigen Zuwendungen kommt für jede Praxis etwas in Frage.

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