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Steuerfragen zur Existenzgründung

24-01-2018 10:38

Vorweggenommene Betriebsausgaben

Schon vor der eigentlichen Existenzgründung entstehen in der Regel Kosten, die steuerlich von Bedeutung sind, sogenannte „vorweggenommene Betriebsausgaben“.  Sie  gehören im Jahr der Zahlung in die Steuererklärung, Anlage S für „selbständige Tätigkeit“:

Denken Sie an Kosten der Praxissuche, z.B. Besichtigungen, Seminare zur Praxisgründung, Beratungskosten,  Makler, Telefon und Porto usw. Führen Sie einen Kalender mit sämtlichen Terminen  und damit zusammenhängende Kosten, u.a. Kilometer oder Zugtickets, Übernachtungskosten, Abwesenheitszeiten.  Auch vorzeitige Anschaffungen für die Praxis gehören dazu. Sogar für geschenkte Gegenstände z.B. Mobiliar, Dekoration usw. kann der Wert im Jahr der Praxiseröffnung angesetzt werden.

Steuerproblem der Finanzierung

Jeder Existenzgründer muss wissen, dass Zinsen für betrieblich bedingte Darlehen meist nur teilweise steuerlich abzugsfähig sind, und zwar nach folgendem Prüfschema:

  • Die betriebliche Verwendung der Darlehen muss nachgewiesen werden. Diese ist gegeben beim Erwerb der gesamten Praxis oder einzelnen Investitionen, oder auch der Finanzierung von laufenden Praxiskosten. Darlehen für private Entnahmen oder gar für Steuerzahlungen sind nicht steuerlich absetzbar.
  • Zinsen von Investitionsdarlehen (auch für geringwertigen Wirtschaftsgüter mit Anschaffungskosten unter  410 € bzw. ab 2018 800 €) sind immer in voller Höhe steuerlich abzugsfähig. Andere Darlehenszinsen (z.B. für den Betriebsmittelkredit) sind nur unter weitere Voraussetzungen steuerlich abzugsfähig: Die Zinsen dürfen 2.050 € p.a. nicht übersteigen oder es dürfen keine steuerlichen „Überentnahmen vorliegen“.

 

So rechnet das Finanzamt

2018

2019

Gesamte Zinsen der Praxis  Dr. Neu z.B.

300.000 € x 2 % = 6.000 € für Investitionsdarlehen

100.000 €  x 7 % = 7.000 € sonstige Zinsen

13.000 €

13.000 €

Steuerliches Ergebnis

-30.000 €

+ 20.000 €

Privatentnahmen

-25.000 €

-25.000 €

=Überentnahme (inclusive Bestand Vorjahr)

-55.000 €

- 60.000 €

A) Fiktiv zu verzinsen mit 6 % (§ 4 Abs. 4a ESTG)

- 3.300 €

- 3.600 €

Nicht abzugsfähig sind die sonstigen Zinsen abzüglich Freibetrag

B) maximale Hinzurechnung von Zinsen

 steuerlich nicht abzugsfähig ist der niedrigere Betrag von A) und B)

7.000 €

 - 2.050 €

(=4.950 €)

= 3.300 € 

7.000 €

 - 2.050 €

(=4.950 €)

=3.600 €

abzugsfähige Zinsen Investitionskredite

abzugsfähige sonstige Zinsen

6.000 €

7.000 € - 3.300 €

=3.700 €

6.000 €

7.000 € - 3.600 €

= 3.400 €  

 

Zur Vermeidung der Zinskürzung sollten Existenzgründer alle Investitionen voll und langfristig finanzieren, auch bei niedrigen Anschaffungskosten. So werden die nicht absetzbaren Zinsen für sonstige Kredite niedrig gehalten. Wichtig ist die Aufbewahrung aller Darlehensunterlagen und zugehörigen Investitionen  von Beginn an, damit die Einordnung als Investitionsdarlehen fürs Finanzamt auch später bewiesen werden kann.

 

Durch Verlustrücktrag Steuern zurückholen

In den ersten Jahren der Existenzgründung werden in der Regel Verluste entstehen. Diese können durch Rückholen von gezahlten Steuern vermindert  werden, und zwar auf durch steuerlichen Verlustrücktrag aufs Vorjahr auf Antrag. Ob sich das lohnt, entscheidet der Steuersatz im Vorjahr.

Beispiel: Dr. Neu war 2017 angestellt mit einem Einkommen von 25.000 €. Er hatte 4.000 € an Steuern gezahlt. Der Verlust 2018 von 30.000 € wird auf seinen Antrag hin zu 15.000 € bis zum Existenzfreibetrag auf das Vorjahr zurückgetragen. Damit fließen alle Steuern zurück, der übersteigende Betrag von 15.000 € wird automatisch auf 2019 vorgetragen.

Abschreibungen

Beim Kauf einer Einzelpraxis wird steuerlich nicht der Gesamtkaufpreis abgeschrieben, sondern  der anteilige Kaufpreis einzelner Wirtschaftsgüter. So wird der Goodwill  oder immaterielle Wert bei einer Einzelpraxis auf 3 bis 5 Jahre abgeschrieben, beim Einstieg in eine Kooperation auf 5 bis 8 Jahre.  Sonstige Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens bis zu  410 € (ab 2018 800 €) werden im Jahr des Erwerbs voll abgeschrieben, alle höheren Werte auf die Restnutzungsdauer nach AFA-Tabelle . Kosten für Materialien, Bestände an Gold und Implantaten usw.(Verbrauchsgüter) sind sofort Betriebsausgabe. Um eine optimale Steuerersparnis  zu erreichen, ist eine Aufteilung des Kaufpreises im Vertrag  hilfreich,  in Goodwill und sonstige Wirtschaftsgüter, davon möglichst viele mit Werten unter 410 € (ab 2018 800 €).

Bei Einstieg in eine Gemeinschaftspraxis, Berufsausübungsgemeinschaft oder Partnerschaftsgesellschaft erwirbt der Käufer anteilig quasi die Buchwerte und das darin steckende Abschreibungsvolumen. Der die Buchwerte übersteigende Kaufpreis wird allein vom Käufer abgeschrieben, und zwar in der Regel als Goodwill auf 5 bis 8 Jahre.

Steuerrücklagen bilden

Wenn nach der anfänglichen Verlustphase Gewinne eintreten, so erfährt das Finanzamt erst sehr viel später davon. Dann werden auf einen Schlag Nachzahlungen für das Steuerjahr und nachträgliche Vorauszahlungen bis zum laufenden Jahr festgesetzt, die nicht gestundet werden. Existenzgründer sollte daher zu jedem Zeitpunkt ihre aktuellen Steuerschulden kennen und Rücklagen bilden.

 

Fazit

Eine Existenzgründung, sei es in Form einer eigenen Praxis oder durch Einstieg in eine Kooperation, ist immer auch mit steuerlichen Fragen verbunden. Jeder Existenzgründer tut gut daran, sich frühzeitig mit diesen Fragen zu befassen und eine regelmäßige Steuerplanung zu machen.

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