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Schenkung der Praxis – ein Umdenken ist angesagt

21-08-2014 11:06

Seit der Änderung des Erbschaftsteuerrechtes im Jahre 2009 kann Betriebsvermögen unter bestimmten Voraussetzungen steuerfrei auf den Schenker übertragen werden, und zwar unabhängig vom Wert des Vermögens. Das schont die Freibeträge für die übrige Erbschaft. Die Einzelheiten des „Verschonungsabschlags“:

  • 100 % des Praxiswertes bleiben außer Ansatz, wenn die Praxis in den nächsten 5 Jahren nach Erbfall oder Schenkung fortgeführt wird. Die weitere Bedingung ist für Zahnarztpraxen regelmäßig erfüllt: im Praxiswert darf höchstens 10 % Verwaltungsvermögen (nicht betriebsnotwendiges Vermögen wie Geld oder Wertpapiere, sonstiges) enthalten sein. Bei höchstens 50 % Verwaltungsvermögen gilt immer noch ein Abschlag von 85 %.
  • Die Lohnsumme muss in 7 Jahren mindestens 700 % des Wertes in den Jahren vor Erbschaft/Schenkung betragen, sprich, es werden keine Arbeitnehmer entlassen. Diese Voraussetzung gilt nur ab einer Beschäftigtenzahl von 20, ist also für zahlreiche Zahnarztpraxen nicht von Belang.

Bsp: Der Sohn (Zahnarzt) ist Alleinerbe. Die Erbschaft besteht aus einem Mehrfamilienhaus (Wert 2,5 Mio) und der Praxis mit einem Verkehrswert von 500.000 €. Der erbschaft-steuerpflichtige Erwerb (nach Abzug des Freibetrags) wäre eigentlich 2,6 Mio €, die ErbSt 19 % oder 494.000 € . Da das Betriebsvermögen steuerfrei übertragen werden kann, spart der Sohn 95.000 € ErbSt.

 

Doch nun droht Ungemach. Der BFH hatte am 27.09.2012 (Az. II R9/11) entschieden, dass ernsthafte Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit des Verschonungsabschlags bestehen und die Frage dem Bundesverfassungsgericht vorgelegt. In dessen mündlicher Verhandlung vom 08.07.2014 ist bereits erkennbar, dass die gegenwärtige Regelung aus Sicht der Richter nicht gerechtfertigt ist.

 

Bsp.: Bei oben genannten Werten sind nun 95.000 € an Erbschaftsteuer für den Praxiswert fällig. Diese kann zwar nach neuester Rechtsprechung (Bundesfinanzhof vom 09.07.2013, Az. IX-R-43/11) als Anschaffungsnebenkosten abgeschrieben werden, netto verbleiben dann ca. 55 % oder 52.250 € an zusätzlicher Steuerbelastung am Erben hängen.

 

Auf eine Steuerbefreiung des geschenkten Praxisvermögens sollte der Erbe nun nicht mehr setzen. Dabei gab und gibt es eine andere Möglichkeit, die Praxis zu übertragen und ganz ordentlich Steuern zu sparen.

Wird die Praxis nicht verschenkt, sondern verkauft, so lassen sich im Familienkreis legal erhebliche Steuerersparnisse erzielen. Der Schenker oder Erblasser versteuert den Veräußerungsgewinn unter Ausnutzung des Freibetrags von maximal 48.000 € und zu nur höchstens 56 % des tariflichen Steuersatzes (mindestens 14 %, höchstens 23 % Einkommensteuer) Voraussetzung der Vergünstigung: der Schenker oder Erblasser ist über 55 Jahre oder berufsunfähig. Der Beschenkte oder Erbe erwirbt anschreibbare Praxiswerte. In einer Abschreibungsdauer von maximal 5 Jahren erhält er einen Steuervorteil zu seinem tariflichen Steuersatz, in der Regel zu 42 % Spitzensteuersatz Einkommensteuer (zuzüglich Soli und eventuell Kirchernsteuer).

 

Bsp.: Der 65jährige Vater verkauft seine Praxis zu 500.000 € an seinen Sohn. Weitere Einkünfte hat er in diesem Jahr nicht. Der Veräußerungsgewinn nach Abzug der steuerlichen Buchwerte sei 450.000 €. Da 136.000 € weit überschritten sind, schmilzt der Freibetrag auf 0 €. Er versteuert 450.000 € zu 14 % (zuzügl. Soli ca. 14,7%), das macht  66.000 € Steuern. Der Sohn schreibt 500.000 € in 5 Jahren ab. Bei einem tariflichen Steuersatz von 45 % (zuzügl. Soli und Kirchensteuer) in der Spitze spart er 225.000 € an Steuern.

Familienübergreifend bedeutet das eine Rückerstattung vom Finanzamt von 159.000 €. Anstelle von einer Erbschaftsteuerbelastung von netto 52.250 €.

 

Häufig wird bei dem Modell entgegengehalten, dass es zu teuer sei. Immerhin müssen 500.000 € erst mal finanziert werden. Dabei wird vergessen, dass man auch lange Tilgungszeiten und Familiendarlehen vereinbaren kann. Zudem kann durch Testament dem Sohn mehr vom Erbe zugestanden werden. Damit ist die Finanzierung des Kaufpreises in der Regel kein Problem.

 

Das sich wandelnde Erbschaftsteuerrecht zwingt zum Überdenken der bisherigen Strategien. Will man sich keine Steuernachteile einhandeln, so ist Verkaufen statt Verschenken der sichere Weg. Für Praxisinhaber mit einem Nachfolger in der Familie heißt das frühzeitige Planung und Anpassung von testamentarischen Regelungen, um in der Familie maximale Steuerersparnis zu erzielen.

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