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Mit Krankenversicherungsbeiträgen Steuern sparen

18-07-2012 17:54

Die Rechtslage seit 2010

Vorsorgeaufwendungen i.S. des Einkommensteuergesetzes sind bekanntermaßen als Sonderausgaben abzugsfähig. Sie werden seit 2010 unterteilt in folgende drei Kategorien:

  • Altersvorsorgeaufwendungen (Leibrenten wie Versorgungswerk oder Rürup-Verträge) und
  • Alle sonstigen Vorsorgeaufwendungen. Da unterscheidet man ab 2010:
  • Basisvorsorgeaufwendungen für die Kranken- und Pflegeversicherung sowie
  • weitere Versicherungsbeiträge: Beiträge zur Arbeitslosen-, Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsversicherung, zu Unfall- und Haftpflichtversicherungen, zu Risikolebensversicherungen sowie Beiträge zu den Rentenversicherungen und Altlebensversicherungen mit Versicherungsbeginn und erster Beitragszahlung vor dem 1.1.2005. Später abgeschlossene Renten- und Lebensversicherungen sind nicht begünstigt.

 

Steuerlich abzugsfähig sind zunächst die Altersvorsorgebeiträge, und zwar begrenzt auf 20.000 € (Verdoppelung bei zusammenveranlagten Ehegatten auf 40.000 €). Kürzung werden vorgenommen bei Anspruch auf steuerfreie Arbeitgeberzuschüsse oder bei Personen mit Anspruch auf beitragsfreie Rente (Beispiel Beamte).

Darüber hinaus besteht für die sonstigen Vorsorgeaufwendungen ein gemeinsames Abzugsvolumen von bis zu 2.800 € bzw.1.900 € bei Personen mit Anspruch auf steuerfreie Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung. Dieses Abzugsvolumen steht primär für Beiträge zugunsten einer Basiskranken- und Pflegeversicherung zur Verfügung. Liegen diese Beiträge aber höher, so sind sie - auch wenn die Abzugsvolumina überschritten werden - in jedem Fall voll abziehbar. Das heißt im Umkehrschluss: In Jahren, wo keine oder nur geringe Beiträge zur Basiskranken und Rentenversicherung zu leisten sind, steht das Abzugsvolumen für sonstige Versicherungsbeiträge zur Verfügung.

 

So rechnet das Finanzamt (Beispiel für einen Selbständigen)

  1. Beiträge zum Versorgungswerk z.B. 15.000 € x 74 % (Abzug 2012)=             11.100
  2. Beiträge Basiskranken-, und Pflegeversicherung (Beispiel)                              5.000
    Summe abzugsfähiger Vorsorgeaufwand                                                      16.100

Der Abzugsbetrag zu 2 ist höher als die Pauschale von 2.800 € für alle sonstigen Vorsorgeaufwendungen und wird daher steuerlich berücksichtigt. Für die übrigen Versicherungsbeiträge ergibt sich kein Steuerabzug.

 

So wirkt die Vorauszahlung von Krankenversicherungsbeiträgen

Wenn es Ihnen möglich wäre, einen vollen Jahresbetrag an Kranken- und Pflegeversicherung vorauszuzahlen, so fallen im nächsten Jahr keine Beiträge an. Das bedeutet bei im übrigen gleichen Beiträgen zu allen anderen Versicherungen:

 

Im Jahr 1         Beiträge zu einer Rürup-Rente z.B. 15.000 € x 74 %=                11.100
Beiträge Basiskranken-, und Pflegeversicherung 2 Jahre                                     10.000
Summe Steuerabzug                                                                                        21.100

Im Jahr 2         Beiträge zu einer Rürup-Rente z.B. 15.000 € x 74 %*=               11.100
Beiträge Basiskranken-, und Pflegeversicherung                                                         0
Übrige Versicherungen z.B.   3.000 €, max. Pauschale                                          2.800
Summe abzugsfähiger Vorsorgeaufwand                                                            13.900

                        *  ohne Steigerungsfaktor gerechnet

 

Durch die Vorauszahlung von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen wird in jedem zweiten Jahr der Abzug für die übrigen Versicherungen möglich. Das ergibt eine zusätzliche Steuerersparnis von € 2.800 x Steuersatz 45,5 %=1.274,--.

Der Nachteil: Die Vorauszahlung fließt früher von Ihrem Konto ab. Allerdings wiegt die Verzinsung mit 25,5 %  (1.274,-/5.000,- Beitragsvorauszahlung) das auf!

 

Vorsicht bei Beitragserstattungen: Werden Beiträge erstattet, ist der Erstattungsbetrag mit den in diesem Veranlagungszeitraum geleisteten gleichartigen Aufwendungen zu verrechnen. Nur der Differenzbetrag ist als Sonderausgabe zu berücksichtigen. Übersteigen die erhaltenen Erstattungen die entsprechenden geleisteten Aufwendungen, sind die Aufwendungen mit anderen Aufwendungen für sonstige Versicherungsbeiträge zu verrechnen.

Im Beispiel oben: Erstattung Krankenversicherung 2. Jahr 1.500 €. Diese wird verrechnet mit den übrigen Vorsorgeaufwendungen von 3.000 €. Der Rest von 1.500 € unterschreitet die maximalen Abzug von 2.800 €. Die Steuerersparnis wird verschenkt. Vermeiden Sie im „2. Jahr“ daher die Geltendmachung von Beitragsrückerstattungen.

 

Kein Missbrauch von Gestaltungsmöglichkeiten

Immer wenn es Steuergestaltungen gibt, die zu hohen Steuerersparnissen führen, hat die Finanzbehörde die Möglichkeit, die Steuergestaltung nicht anzuerkennen (§ 42 AO). In diesem Fall gibt es jedoch eine Gesetzesregelung, die die in einem Jahr steuerlich absetzbaren Vorauszahlungen von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge auf das 2,5 fache des Jahresbetrages begrenzt, (§10 (1) Nr. 3,Sz.4 ESTG). Damit ist das Steuermodell faktisch legalisiert.

 

 

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