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Mehr Finanzierungsvolumen : Prämien für Lebensversicherungen

14-04-2010 09:30

Darlehen im betrieblichen und privaten Vereich werden häufig durch Lebensversicherungen getilgt. In Krisenzeiten lasten die Prämien schwer auf der Liquidität. Nun eröffnet sich eine steuergünstige Möglichkeit: Finanzieren Sie die Prämien und beteiligen Sie das Finanzamt an den Zinsen.

 

Prämien als Tilgung von Darlehen

Darlehenszinsen sind als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abzugsfähig, wenn die Finanzierung im Zusammenhang mit einer steuerlichen Einkünfteerzielung steht. Dies gilt unter anderem für Praxisdarlehen zur Finanzierung von Anlagevermögen und betrieblichen Ausgaben, sowie Darlehen im Zusammenhang mit vermieteten Immobilien. Werden Beiträge zu Lebensversicherungen geleistet, die bei Fälligkeit solche Darlehen tilgen sollen, so sind die Versicherungsbeiträge selbst keine Betriebsausgaben oder Werbungskosten. Sie gehören, von einem möglichen Abzug als Sonderausgaben einmal abgesehen, steuerlich zu den privaten Ausgaben, da das versicherte Risiko „Leben der versicherten Person“ ein grundsätzlich privates ist. Damit sind sie aus dem versteuerten Einkommen zu zahlen.

Warum sollte man solche Lebensversicherungsprämien nicht mit Steuerabzug finanzieren können, wenn sie der Tilgung von Darlehen dienen? Diese Frage wurde von einem Eigentümer einer vermieteten Immobilie aufgeworfen, der die Prämien über ein Darlehen finanziert hatte und einen Werbungskostenabzug der Zinsen begehrte.

 

So entschied der BFH

Dient eine Kapitallebensversicherung der Rückzahlung von Darlehen, die zum Erwerb vom Mietwohngrundstücken aufgenommen worden sind, so sind die Zinsen für ein zur Finanzierung der Versicherungsbeiträge aufgenommenes Darlehen als Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung abziehbar (Urteil vom 25.02.2009, Az. IX R 62/07).

Mit den Versicherungsbeiträgen werden die Anschaffungskosten der Immobilie getilgt. Werden sie finanziert, so stehen die Schuldzinsen im Zusammenhang mit der Finanzierung der Tilgung von Anschaffungskosten. Sie sind somit in gleicher Weise zu beurteilen wie Schuldzinsen für ein Anschaffungsdarlehen. Die Finanzierung über Kapitallebensversicherung ist Bestandteil eines einheitlichen Gesamtkonzeptes zur Finanzierung der Anschaffungskosten. Entscheidet sich der Steuerpflichtige, anstelle einer Langfristtilgung der Darlehen (1- 2 % bei Immobilien), für eine kürzere Laufzeit unter Einsatz von Kapitallebensversicherungen, würde seine Finanzierungsfreiheit in unverhältnismäßiger Weise eingeschränkt, wenn der wegen der kürzeren Laufzeit höherer Finanzierungsaufwand nicht berücksichtigt würde.

 

Auch für Praxisdarlehen anwendbar

Praxisgründungsdarlehen werden häufig als endfällige Darlehen mit Abtretung einer Kapitallebensversicherung zur Tilgung finanziert. Auch hier sind die Prämien selbst nicht als Betriebsausgaben abzugsfähig. Sie sind aus dem versteuerten Einkommen zu zahlen. Werden sie aus Liquiditätsgründen finanziert, so sind die Zinsen nach der Entscheidung des BFH Betriebsausgaben. Und es kommt noch besser!

Dienen Darlehen der Finanzierung von Anschaffungskosten des Anlagevermögens, so sind die Zinsen steuerlich immer in voller Höhe als Betriebsausgaben abziebar. Sie unterliegen nicht, wie z.B. die Zinsen von Betriebsmittelkrediten (zur Finanzierung von Betriebsausgaben) der sogenannten Überentnahmenverzinsung des § 4 (4a) ESTG.

 

Neuer Finanzierungsspielraum für Praxisinhaber ohne Überentnahmeverzinsung

Viele Praxen leiden unter einem Steuerproblem: sie können die Zinsen für ihre Praxiskredite, die nicht Anlagevermögen betreffen, nicht in voller Höhe steuerlich absetzen, weil sie langfristig steuerliche Überentnahmen haben. Die einzige Lösung ist die Rückzahlung der betreffenden Darlehen. Doch woher die Mittel für die Tilgung nehmen?

Schon bisher war es möglich, die Tilgungsraten für Darlehen zur Finanzierung von Anlagevermögen nicht aus dem Nettoeinkommen zu nehmen, sondern wiederum zu finanzieren. Diese Zinsen waren voll abzugsfähig, ebenso wie die Zinsen des Darlehens selbst.

Nun bietet sich weiterer Finanzierungsspielraum: werden Darlehen nicht getilgt, sondern später durch die Lebensversicherungssumme abgelöst, so können Sie nun die Prämienzahlungen finanzieren. Die freien Geldmittel werden in die Tilgung der Betriebsmittelkredite gesteckt; deren Zinsen und damit die nicht abziehbaren Schuldzinsen sinken. Der Steuervorteil aus den Zinsen steigt.

 

Steuervorteil trotz gleicher Gesamtverschuldung

Man sollte bei dem Modell im Auge behalten, dass die Gesamtverschuldung des Praxisinhabers nicht zurückgeführt wird. Zwar steigt der Wert des Versicherungsvertrages, jedoch wächst auf der anderen Seite auch ein Darlehen aus der Finanzierung der Prämien an. Der Vorteil liegt beim vollen Steuerrückfluss auf die Kreditzinsen. Dieser ist auch bei Liquiditätsenge langfristig gesichert und trägt damit zur Entschuldung bei.

 

Gabriela R. Scholz

Steuerberaterin/Wirtschaftsprüferin

Sankt Augustin (Bonn)

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