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Keine Pauschalsteuer mehr auf Geschenke an Geschäftsfreunde

28-01-2013 10:27

Geschenke an Geschäftsfreunde sind steuerlich als Betriebsausgabe abzugsfähig, wenn ihr Wert 35 € einschließlich nicht abzugsfähiger Umsatzsteuer pro Jahr und Person nicht übersteigt. Was häufig übersehen wird: auf Seiten des Beschenkten handelt es sich um eine Zuwendung aus beruflichem Anlass, die grundsätzlich steuerpflichtig ist.

 

Da faktisch niemand solche Geschenke versteuert hat, kam der Gesetzgeber auf die Idee, die Möglichkeit einer Pauschalversteuerung einzuführen: Seit 2007 kann der Schenker Sachzuwendungen aus beruflichem Anlass bis zu 10.000 € pro Person und Jahr pauschal mit 30 % (zuzüglich Soli und Kirchensteuer) versteuern und den Beschenkten damit von seiner Steuerpflicht freistellen (§ 37b ESTG). Die Vorschrift kam insbesondere bei Betriebsprüfungen zum Einsatz: die Frage lautete dann immer „Pauschalversteuerung oder Kontrollmitteilung an das Finanzamt des Geschäftsfreundes“.

 

Die Möglichkeit der Pauschalversteuerung gilt auch für die Angestellten. Ihre Nutzung macht Sinn, wenn man jemand zu besonderen Anlässen, sei es Heirat, Kindergeburt, ein Jubiläum oder eine bestandene Prüfung, besonders belohnen will. Diese Zuwendungen sind allerdings sozialversicherungspflichtig.

 

Es war jedoch immer klar, dass Sachgeschenke aus besonderem persönlichen Anlass (sogenannte „Aufmerksamkeiten“) bis zu 40 € an Mitarbeiter nicht der Pauschalversteuerung unterliegen, da sie als steuerfrei gestellt sind. Nun hat die Finanzverwaltung eingelenkt und wird diese Regelung aus  Vereinfachungsgründen auch für Aufmerksamkeiten an Geschäftsfreunde, Kunden oder Patienten anwenden (Rundverfügung der OFD Frankfurt zu Zweifelsfragen des § 37b –EStG vom 10.10.2012, Az. 2297b A-1 St 222).

Was heißt das praktisch:

  • Steuerfrei ist ein Sachgeschenk, also nicht Geld oder Rabatt o.ä.
  • Aus persönlichem Anlass, also Geburtstag, Hochzeit und Hochzeitsjubiläen, Kindergeburt, Geschäftsjubiläum. 
  • Wert bis 40 € einschließlich nicht abzugsfähiger Umsatzsteuer. Aber beachten Sie: übersteigt der Wert 35 €, ist das Geschenk nicht als Betriebsausgabe absetzbar! Die Regelung gilt unabhängig davon, ob der Zuwendende das Geschenk steuerlich absetzen darf (so z.B. FG Hamburg, Urteil vom 20.09.2011). Faktisch ist also der niedrigere Betrag relevant.
  • Die Freigrenze gilt anlassbezogen, nicht pro Jahr.
  • Streuwerbeartikel sind nicht einzubeziehen, unabhängig vom Wert. Sachzuwendungen mit einem Wert bis zu 10 € gelten auch als Streuwerbeartikel.

Die Verfügung gilt rückwirkend für alle offenen Fälle, kann also auch bei Betriebsprüfungen für alte Jahre verwendet werden. Steuerpflichtige, die bereits eine Pauschalversteuerung in solchen Fällen angemeldet haben, können damit  Geld zurück erhalten.

Die Regelung ist  eine große Erleichterung für die Praxis, da die meisten Geschenke an Geschäftspartner und Patienten begünstigt sein werden. Sie können als Betriebsausgabe abgesetzt werden und bleiben dennoch steuerfrei für den Empfänger der Sachzuwendung.

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