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Jobticket als Sachbezug – darauf müssen Sie achten

16-04-2013 17:03

Jobtickets sind vergünstigte Zeitkarten zur unbegrenzten Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs. Der Arbeitgeber zahlt in der Regel einem Grundbetrag an die Verkehrsbetriebe. Das Ticket wird dann entweder unentgeltlich oder durch Zuzahlung der einzelnen Arbeitnehmer zur Verfügung gestellt. Vor 2003 zählten Jobtickets zu den steuerfreien Einnahmen des § 3 ESTG. 

 

Jobtickets als zusätzlicher Arbeitslohn sind eine gute Sache und eine schöne Motivation für Ihre Arbeitnehmer. Allerdings nur, wenn es den Arbeitnehmer keine Steuern und Sozialversicherung kostet. Dazu gibt es derzeit zwei Möglichkeiten:

 

Jobticket als Fahrtkostenzuschuss Wohnung-Praxis

Der Arbeitnehmer erhält einen Zuschuss für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte in Höhe von maximal 0,30 € je Entfernungskilometer (sogenannte Pendlerpauschale) über die Lohnabrechnung und kauft sich sein Jobticket selbst. Alternativ erwirbt  der Arbeitgeber das Jobticket und zieht den Preis wieder vom auszuzahlenden Nettolohn ab. Der Zuschuss wird vom Arbeitgeber pauschal versteuert mit 15 %. Er kostet aber weder den Arbeitgeber noch den Arbeitnehmer Sozialversicherung.

Beispiel:

Das Jobticket kostet pro Monat € 45,--, der Grundbetrag an die Verkehrsbetriebe 5,- €, die Entfernung Wohnung-Praxis beträgt 10 km.

Zuschuss Fahrten Wohnung-Arbeitsstätte 10 km x 0,30 € x 22 Tage=                       66,00 €

Pauschale Steuer Arbeitgeber 15 %, keine Sozialversicherung                   9,90 €

Aufwand Arbeitgeber                                                                            75,90 €

Abzug für Kosten Jobticket, das der Arbeitgeber erwirbt                                        - 50,00 €

Auszahlung Restbetrag über Lohnabrechnung                                                         16,00 €

 

Kostet das Jobticket mehr als die Pendlerpauschale, so ist auch eine Zuzahlung des Arbeitnehmers möglich. Dann wird die Nettolohnauszahlung um diesen Betrag gekürzt.

 

Jobticket als regelmäßiger Sachbezug

Alternativ kann das Jobticket aber auch als Sachbezug im Rahmen der Freigrenze von 44,- € monatlich angesehen werden. Das sind Zuwendungen an Ihre Arbeitnehmer, die nicht in Geld bestehen, und zusätzlich zum vereinbarten Arbeitslohn gewährt werden. Aber auch zweckgebundene Zuwendungen in Geld können dazu zählen, wenn sie dem Arbeitnehmer mit der Auflage zum Erwerb einer bestimmten Sache gewährt werden. Auch Warengutscheine, die nicht in Geld umtauschbar sind, bleiben so lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei. Die Freigrenze für alle Sachbezüge darf monatlich und pro Arbeitnehmer nicht überschritten werden. Auch hier sind Zuzahlungen des Arbeitnehmers möglich.

Beispiel:

Das Jobticket kostet pro Monat € 45,- zuzüglich Grundbetrag an die Verkehrsbetriebe 5,- €

Kosten Jobticket, das der Arbeitgeber erwirbt (Sachbezug)                                        50,00 €

Abzug vom Nettolohn über Lohnabrechnung                                                            - 6,00 €

Sachbezug lohnsteuer-und sozialversicherungsfrei                                                   44,00 €

 

Nur monatlicher Erwerb des  Jobticket als Sachbezug möglich

Häufig werden die Kosten für Jobtickets jedoch jährlich abgerechnet. Einen solchen Fall hatte der BFH nun zu entscheiden, leider zum Nachteil des betroffenen Betriebes (BFH vom 14.11.2012 VI R 56/11): Der Betrieb hatte eine Grundpauschale von 6,135 € pro Arbeitnehmer monatlich gezahlt. Die Angestellten hatten ein vergünstigtes Jahresticket erworben und monatliche Zuzahlungen über die Lohnabrechnung geleistet. „Zugeflossen ist ein Sachbezug dann, wenn der Empfänger die wirtschaftliche Verfügungsgewalt erlangt hat“,  so der BFH. Der Zufluss sei hier mit dem Erwerb der Jahreskarte steuerlich dem Monat des Erwerbs zuzuordnen, unabhängig davon, dass die Zahlungen an die Verkehrsbetriebe und die Zuzahlungen der Arbeitnehmer monatlich geschahen. Damit überstieg der Vorteil von 6,135 € x 12 =73,62 € die Sachbezugsgrenze von 44,- € und der gesamte Vorteil war lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtig.

 

Fazit aus dieser Entscheidung: Arbeitgeber sollten darauf achten, dass bei Nutzung der monatlichen Sachbezugsfreigrenze von 44,- € der Sachbezug auch wirklich monatlich zufließt. Für die Gestellung von kostenlosen oder vergünstigten Tickets heisst das: nur die Monatskarte sichert die Lohnsteuer- und Sozialversicherungsfreiheit!

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