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Haushaltsnahe Handwerkerleistungen und Dienstleistungen – Steuerbegünstigung ausgeweitet

05-04-2012 11:32

Bislang wurden von den Finanzämtern solche Handwerkerleistungen nicht anerkannt, bei denen etwas Neues geschaffen oder etwas Bestehendes „wesentlich“ verbessert wurde (für die Gartenarbeit zum Beispiel die Errichtung einer neuen Mauer, Neuanlage eines Teiches, erstmalige Wegepflasterung). Das wird sich nach dem Urteil des Bundesfinanzhofs vom 13.07.2011 (VI R 61/10) ändern. Danach sollen grundsätzlich sämtliche Handwerker-leistungen begünstigt sein, unabhängig davon, ob Bestehendes durch Gleichwertiges ersetzt, wesentlich verbessert oder etwas Neues geschaffen wird.

 

Einschränkung: der Haushalt muss schon vorhanden sein: Maßnahmen im Zusammenhang mit einem Neubau sind nicht begünstigt! Wer davon betroffen ist, sollte die Arbeiten auf die Zeit nach dem Einzug legen.

 

Das Finanzamt muss die Steuerersparnis nicht gewähren, wenn und soweit die Handwerkerleistung „für den Haushalt“ ausgeführt wurde. Die Arbeiten müssen „in einem Haushalt“ erbracht werden. Im Streitfall ließen sich die Mieter in einer Schreinerei Schlafzimmermöbel fertigen und zu Hause einbauen. Das Finanzamt berücksichtige nur den Rechnungsbetrag für die Aufbauarbeiten im Haushalt, nicht jedoch den Arbeitslohn für Arbeiten in der Werkstatt, zu Recht, so das Finanzgericht München (Az.7 K 2544/09).

 

Auch Kosten für die Betreuung eines Haustieres können steuerlich geltend gemacht werden. Denn rechtlich werden Tiere wie Sachen behandelt. Voraussetzung ist aber, dass die Leistung im Haushalt des Steuerpflichtigen vorgenommen wird. Das Problem für Hundebesitzer: Es ist rechtlich unklar, ob die Kosten für den Hundesitter abgesetzt werden können, wenn er mit dem Tier im Park Gassi geht. Dann muss vermutlich aufgeteilt werden!


Als eigener Haushalt gilt auch die Ferienwohnung und die Zweitwohnung. Auch Heimbewohner können eine Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen in Anspruch nehmen, wenn die Voraussetzungen des § 35a EStG erfüllt sind (Bundesfinanzhof, Urteil vom 29.01.2009, IV R 28/08).

  

Zusätzlich sind haushaltsnahe Dienstleistungen begünstigt, z.B. die „hauswirtschaftlich geprägte Gartenpflege“ (zum Beispiel Rasenmähen, Heckenschneiden einschließlich Grünschnittentsorgung) aber auch hauswirtschaftliche Pflegeleistungen. Das Finanzamt gewährt zusätzlich auf Antrag eine Ermäßigung der Einkommensteuer in Höhe von 20 % der Aufwendungen, maximal 4.000 Euro p.a.

 

Auch Pflege- und Betreuungskosten können als haushaltsnahe Dienstleistungen begünstigt sein. Hierzu gehört auch die Unterbringung in einem Pflegeheim. Allerdings hat die Geltendmachung als außergewöhnliche Belastungen Vorrang; da allerdings wird eine zumutbare Belastung abhängig vom Einkommen nicht berücksichtigt. Diese nicht abzugsfähigen Kosten fallen dann unter die Begünstigung als haushaltsnahe Dienstleistung.

 

Beispiel:

S hat Krankheitskosten in Höhe von 3.000 € und Pflegekosten von 3.000 €. Die zumutbare Belastung beträgt 2.500 €. Abzug als außergewöhnliche Belastung: Krankheitskosten 3.000 € + Pflegekosten 500 EUR (6.000 € abzüglich 2.500 € zumutbare Belastung) = insgesamt 3.500 €. Steuerermäßigung für diesen Rest als haushaltsnahe Dienstleistung: 20 % von 2.500 € = 500 €

 

Unverändert gilt für beide Abzugsmöglichkeiten, dass unbar bezahlt werden muss und dass nur die berechneten Arbeitslohn-, Maschinen- und Fahrtkosten zzgl. der darauf entfallenden Umsatzsteuer abzugsfähig sind. Materialkosten bleiben nicht abzugsfähig.

 

Beispiel:

Die Neuanlage des Gartens kostet 8.000 € einschl. Umsatzsteuer. Davon sind 2.000 € Materialkosten. Begünstigt sind nur 6.000 €. Die Steuerermäßigung beträgt 20 % von 6.000 € = 1.200 €. Das ist auch der Maximalbetrag pro Jahr.

 

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