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Eigenverbrauch für Praxis-KFZ auf dem Prüfstand

10-08-2010 13:20

KFZ im Praxisvermögen - ja oder nein

Seit 2006 müssen alle Selbständigen nachweisen, ob ihr beruflich genutztes KFZ zum Praxisvermögen gehört oder nicht. Zwingend ist das, wenn mehr als 50 % der Kilometer-Jahresleistung beruflich gefahren werden. Die Finanzverwaltung lässt zum Nachweis eine beispielhafte Führung einer Fahrtenliste für 3 Monate oder durch Kalender zu.

Gehört ein KFZ zum Praxisvermögen, dann sind zwar alle Kosten steuerliche Betriebsausgaben, also laufende Kosten, Abschreibung und Finanzierungskosten bzw. Leasingraten. Im Gegenzug ist jedoch der Eigenverbrauch als fiktive Einnahme zu bewerten. Hier gibt es grundsätzlich nur zwei Möglichkeiten: die sogenannte 1 % Methode oder die Führung eines steuerlich anerkannten Fahrtenbuchs. Da letzteres aufwändig ist und bei Prüfungen häufig wegen formeller Mängel verworfen wird, kommt in der Regel die 1 %- Methode zur Anwendung. Diese gilt unabhängig von den Kosten, die z.B. für ältere KFZ vergleichsweise gering sind. Und am Ende kommt noch die Ernüchterung: der Verkaufserlös (abzüglich Buchwert) ist immer steuerpflichtig.

 

Eigenverbrauchsrechnung bei mehreren KFZ im Beispiel

KFZ 1 (Golf, 3 Jahre alt)

KFZ 2 (Cabrio, 10 Jahre alt, keine AFA mehr)

Ursprünglicher Listenpreis des KFZ

30.000

60.000

1 % für den Eigenverbrauch pro Monat x 12, maximal in Höhe der Kosten!

(ohne Berücksichtigung des Eigenverbrauchs für Fahren zwischen Wohnung und Arbeitsstätte)

3.600

7.200

Kosten des KFZ (einschließlich AFA)

9.000

8000

Steuerliche KFZ-Kosten per Saldo

5.400 (60 %)

800 (10 %)

 

Der Praxisinhaber versteuert ab 2010 für die Privatnutzung 10.800 €, also 63 % seiner Kosten (bisher üblicherweise nur für das teuerste KFZ 7.200 €).

 

Handlungsbedarf ab 2010: Berechnen Sie Eigenverbrauch und Kosten für Ihre beruflich genutzten KFZ.

l        Stellen Sie im ersten Schritt sicher, dass nachweisbar wirklich nur die überwiegend beruflich genutzten KFZ zum Praxisvermögen gehören und nicht auch überwiegend privat genutzte KFZ. Denn nach der neuen Rechtslage besteht für Betriebsprüfer ein Anreiz, auch private KFZ zum Betriebsvermögen zu rechnen und die 1 %-Methode anzuwenden.

l        Setzen Sie für KFZ im Privatvermögen die tatsächlichen Kosten für die berufliche Nutzung nach Kilometern an: Hier genügt eine einfache Aufzeichnung Ihrer beruflichen Fahrten und eine Zusammenstellung der Kosten. Letzteres ist unnötig, wenn die Kosten pro Kilometer unter € 0,30 liegen.

l        Steuertipp: Ist Ihr Ehepartner in der Praxis angestellt, so können Sie ihm statt Lohn ein angemessenes Praxis-KFZ zur Verfügung stellen. Arbeitnehmer-KFZ gelten immer als überwiegend beruflich genutzt; hier müssen Sie keine Dokumentation erstellen. Der Eigenverbrauch wird auch hier nach der 1 %-Methode versteuert, und zwar über die Lohnabrechnung.

 

Beispiel:

Tatsächlicher Aufwand des KFZ im Jahr         € 9.000 (steuerlich abzugsfähige Betriebsausgabe)

Steuerersparnis 42 % (ohne Kist und Soli)   - € 3.780

Eigenverbrauch 1 % (Listenpreis 30.000 €)    € 3.600 (Steuerpflichtig mit Lohnabrechnung)

Steuer auf den Eigenverbrauch 42 %             € 1.512, gespart € 2.268 p.a.

Prüfen Sie nun Ihre beruflichen KFZ-Kosten und machen Sie das Beste daraus.

 

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