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Doppelte Haushaltsführung – die neue Rechtslage

09-08-2013 14:33

Wann ist ein doppelter Haushalt beruflich veranlasst?

Der Haushalt am Beschäftigungsort muss aus beruflichen Gründen begründet oder neben dem Hauptwohnsitz aufrecht erhalten werden, um von dort die Arbeitsstätte zu erreichen. Die früher geltende Voraussetzung der Verkürzung der Fahrtzeit zwischen Wohnung und Arbeitsstätte um mindestens eine Stunde ist weggefallen. Eine Nähe zum Beschäftigungsort sollte vorliegen. Dies ist aber relativ zu sehen, wurde doch eine 140 km entfernte Wohnung noch als doppelter Haushalt anerkannt, der allerdings innerhalb einer Stunde mit dem ICE erreichbar war.

Nicht nur eine Begründung des Zweithaushalts, sondern auch eine „Wegverlegung“ des Haupthaushalts unter Beibehaltung der Wohnung am Beschäftigungsort ist inzwischen als beruflich begründete doppelte Haushaltsführung anerkannt, so BFH vom 05.03.2009 (Az. VI R 58/06) z.B. bei einer Verlegung des Hauptwohnsitzes wegen Eheschließung.

 

Was gilt als Hauptwohnsitz?

  • Generell ist die doppelte Haushaltsführung bei Verheirateten anerkannt, die einen gemeinsamen Familienwohnsitz unterhalten. In solchen Fällen könnte sogar jeder der Ehegatten neben der gemeinsamen Wohnung einen doppelten Haushalt am Beschäftigungsort unterhalten.
  • Arbeiten Ehegatten vor ihrer Eheschließung an zwei Beschäftigungsorten und nehmen sie ihren gemeinsamen Wohnsitz an einem der Orte, so liegt auch eine doppelte Haushaltsführung vor. Allerdings nur nach der Eheschließung, nicht vorher! So entschied der BFH am 04.04.2001 (Az. VI R 130/99). Um das zu umgehen, sollten langjährige Paare einen gemeinsamen Mietvertrag machen und sich auf die Rechtsprechung für Alleinstehende berufen.

Können auch Alleinstehende oder Kinder einen doppelten Haushalt führen?

Bei Alleinstehenden war die doppelte Haushaltsführung immer problematisch. Doch die Aussichten werden besser! Diese Fälle sind inzwischen anerkannt:

  • Der Mittelpunkt der Lebensinteressen verbleibt am Hauptwohnsitz. Als Nachweis gelten enge persönlichen Beziehungen zu Eltern, Verlobten, Freundes- und Bekanntenkreise, ein reges Vereinsleben oder sonstige persönliche Aktivitäten am Hauptwohnsitz. Nicht ausreichend ist die reine Anmeldung eines 2.Haushaltes!
  • Es wird ein eigener Hausstand mit eigener Kostentragung unterhalten. Gegeben ist dies regelmäßig bei Eigentum an der Wohnung oder eigenem Mietvertrag für eine Wohnung, die allen Lebensbedürfnissen gereicht wird. Ein hauswirtschaftliches Leben am Hauptwohnsitz während der beruflichen Abwesenheit ist nicht notwendig.
  • Auch ein eigener Hausstand in der elterlichen Wohnung ist anerkannt, wenn eine Beteiligung an den Kosten des Haupthaushaltes nachgewiesen werden kann(so BFH v. 21.04.2010; Az. VI R 26/09). In solchen Fällen muss auch die gemeinsame Haushaltsführung wesentlich mitbestimmt werden. Positiv wurde das entschieden für einen 43jährigen Arbeitnehmer, der im Haushalt der Mutter einige Zimmer allein bewohnte und weitere Zimmer wie z.B. die Küche mitbenutzte (BFH v. 16.01.13 VI R 46/12).
  • Steuertipp: Auch für studierende Kinder kann eine doppelte Haushaltsführung interessant sein, wenn sie am Hauptwohnsitz eine abgeschlossene Wohnung bewohnen und die doppelte Haushaltsführung als vorweggenommene Werbungskosten ansetzten können (bei Zweitstudium).

 

Welche Kosten können abgesetzt werden?

Muss man einen doppelten Haushalt führen, so kommt durch die absetzbaren Kosten schon ein ordentlicher Betrag an absetzbaren Kosten zusammen. Beachten Sie:

  • Zu den laufenden Kosten der Unterkunft  zählen nicht nur Miete (auch doppelte Mietzahlungen), Nebenkosten und Reinigungspauschale, sondern auch eine angemietete Garage oder PKW-Stellplatz.
    Als Unterkunft gilt – neben Appartments u.ä. auch ein Hotelzimmer. Oder ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft (BGH 28.03.2012; Az. VI R 25/11).
    Problematisch war dies immer in Fällen, wo am Beschäftigungsort eine größere Wohnung oder gar ein Haus unterhalten wurde. Hier galt lange die ortsübliche Miete für eine 60 QM-Wohnung als Höchstbetrag. Ab 01.01.2014 können nun die tatsächlichen Kosten geltend gemacht werden, allerdings mit einer Kostendeckelung auf 1000 EUR pro Monat. 

 

  • Notwendige Mehraufwendungen für Wohnungsausstattung: Anschaffung von Kleinmöbeln, Fernseher oder Radio, Gardinen. Küchen- und Badutensilien usw.

 

  • Verpflegungsmehraufwendungen für die ersten 3 Monate ab Begründung mit € 24 pro Tag. Steuertipp: Dies gilt auch in „Wegverlegungsfällen“ z.B. nach Eheschließung. Das Finanzgericht Düsseldorf hat ausdrücklich (aber leider nicht rechtskräftig) entschieden, dass die vorher am Beschäftigungsort verbrachte Zeit nicht auf die 3-Monatsfrist anzuerkennen sei (FG Düsseldorf 09.01.13; 15 K 318712E, beim BFH anhängig).

  • Als Reisekosten gilt eine Familienheimfahrt wöchentlich zu je 0,30 € pro Entfernungskilometer, und zwar unabhängig davon, ob und in welcher Höhe tatsächlich Kosten entstanden sind (z.B. auch bei Mitfahrgelegenheit, kostenlose Bahnnutzung). Auch die Begrenzung auf 4.000 € im Jahr gilt hier nicht! Anstelle der Reisekosten können auch Telefonkosten angesetzt werden.
    Steuertipp: Es besteht ein Wahlrecht, anstelle der Unterkunftskosten und Verpflegungsmehraufwendungen mehrere Familienheimfahrten innerhalb der Woche anzusetzen, wenn dies steuerlich günstiger ist (Vielpendleroption; nur fürs ganze Jahr auszuüben).

Beispiel: Wohnungsmiete und Nebenkosten 600 € x 12= 7.200 €, die tatsächlichen Fahrten Arbeitsstätte- Familienwohnsitz machen 300 km x 3 AT x 48 Wochen x 0,30 €= 12.960 € p.a. aus und sind damit steuerlich günstiger.

  • Kosten der Begründung und Auflösung der doppelten Haushaltsführung sind nach den Umzugskostenpauschalen für Alleinstehende ansetzbar, falls keine höheren Kosten nachgewiesen werden.

 

Die aktuelle Rechtsprechung zur doppelten Haushaltsführung war durchweg positiv. In Zweifelsfällen sollten Sie daher die steuerlichen Möglichkeiten nutzen, und es auf ein Verfahren ankommen lassen.

 

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