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Darlehen von den eigenen Kindern – ein Sparmodell für die Praxis

08-06-2011 12:55

Ein Beispiel:

Die Zahnarztfamilie Muster hat 2 Kinder im Alter von 10 Jahren. Schon vor Jahren wurden Sparkonten für die Kinder eingerichtet, die nun durch eine Erbschaft der Großeltern nochmals gefüllt wurden. Nun werden die Praxiskredite von 100.000 fällig. Der Praxisinhaber vereinbart mit seinen Kindern je 10jährige Darlehen über ihr Vermögen, und löst damit die Kredite ab. Die Folgen:

  • Steuerlich absetzbare Darlehenszinsen der Praxis: anfänglich 5.000 Eur, über die gesamte Laufzeit bei gleichmäßiger Tilgung ca. 25.000 Eur, und eine Steuerersparnis der Eltern von ca. 13.000 Eur.
  • Kapitalertrag der Kinder (anfänglich je 2.500 Eur p.a.) normalerweise steuerfrei, da der Grundfreibetrag von 8.004 Eur nicht erreicht wird. Bei nahen Verwandten wäre andernfalls nicht die Abgeltungssteuer von 25 %, sondern die normale tarifliche Steuer fällig.
  • Nebeneffekt: den Kindern steht für die Ausbildung nach 10 Jahren eine Summe von je 50.000 Eur zuzüglich Zinsen, in Summe je 62.500 Eur zur Verfügung.

 

Zu schön um wahr zu sein?

Solche Gestaltungen erwecken den Argwohn der Finanzverwaltung. Häufig wurden die Darlehenszinsen in der Vergangenheit nicht anerkannt. Doch ein neues Schreiben des Bundesfinanzministeriums (23.12.2010; S 2144/07/10004) klärt nun die Voraussetzungen:

 1.   Der Darlehensvertrag muss in seinem Inhalt über die gesamte Laufzeit dem entsprechen, was Sie mit fremden Dritten auch vereinbaren würden. Das bedingt klare Vereinbarungen über die Laufzeit, die Zinsen, die Rückzahlung und eine bankübliche Besicherung. Eine schriftliche Vereinbarung ist zwingend.

 2.   Als Besicherung kommen in Frage: Grundschuldübereignung, Sicherungsübereignung von Praxisinventar und Abtretung von Forderungen, aber auch eine Bürgschaft einer dritten Person.

 3.   Die Durchführung muss dem Vertragsinhalt entsprechen.
Tipp: Lassen Sie sich einen Zins- und Tilgungsplan mit festen Raten berechnen und richten Sie einen Dauerauftrag ein.

 4.   Der Darlehensvertrag muss zivilrechtlich wirksam abgeschlossen sein. Bei minderjährigen Kindern bedeutet dies die Hinzuziehung eines Ergänzungspflegers vom Amtsgericht.

 

Schenkweise begründete Darlehensforderungen sieht die Finanzverwaltung besonders kritisch. Wird die Schenkung offensichtlich und unwiderlegbar davon abhängig gemacht, dass das Geld als Darlehen zurückfließt, werden weder die Schenkung noch der spätere Darlehensvertrag anerkannt.

 

Beispiel: Die vor 15 Jahren abgeschlossene Lebensversicherung wird fällig. Das Geld wird den Kindern geschenkt und von diesen als Darlehen an die Praxis zurück gewährt.

 

Vermeiden Sie in solchen Fällen folgende Gestaltungen:

 1.   Vereinbarung von Schenkung und Darlehen in einer Urkunde.

 2.   Schenkung unter der zivilrechtlichen Auflage oder gar aufschiebenden Bedingung der Rückgabe als Darlehen. Der alleinige zeitliche Zusammenhang ist hingegen für sich gesehen nicht steuerschädlich.

 3.   Vereinbarungen über die Verwendung von Darlehensmitteln nur mit Zustimmung des Schenkers. Selbst eine schriftliche Zweckbindung für die spätere Ausbildung kann steuerschädlich sein, da sie eine Unterhaltsverpflichtung der Eltern ersetzt.

Auch bei Gestaltungen, die die genannten Kriterien nicht vollständig erfüllen, sollte man „die Flinte nicht ins Korn werfen“. Ein Schlupfloch hat die Finanzrechtsprechung kürzlich gewährt: Erkennen die Eltern nach Abschluss des Vertrages, dass einzelne zivilrechtliche Vereinbarungen oder Sachverhalte „steuerschädlich“ sind, so können sie diese auch nachträglich noch ändern, und die Darlehensgewährung wird insgesamt vom Finanzamt anerkannt.

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