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Darlehen stehen lassen oder tilgen? Eine Frage der steuerlichen Finanzstrategie

03-11-2011 16:11

Zinsen der alternativen Anlage vergleichen: Sind genügend freie Finanzmittel vorhanden, um die Darlehen zurückzuführen, dann sollte man die Zinsen nach Abzug der Steuer vergleichen: Ist der Zinsaufwand nach Steuerersparnis höher als der Zinsertrag nach Steuern, dann ist die Rückzahlung der Darlehen günstiger.

 

Beispiel: Zinsaufwand 5 % p.a., Steuerersparnis 45 % = Nettozinsaufwand 2,75 % p.a.

Zinsertrag einer alternativen Geldanlage 2 %, Abgeltungssteuer 26,375% = Nettoertrag 1,4725 % p.a.

Das Praxisdarlehen sollte getilgt werden!

 

Private Kredite vorrangig zurückführen: Anders ist die Lage, wenn private Kredite vorhanden sind, deren Zinsen steuerlich nicht geltend gemacht werden können. Dann sollten die Praxiskredite fortgeführt werden.

Beispiel:

Nettozinsaufwand eines Praxisdarlehens 2,75 %, Zinsaufwand eines privaten Baudarlehens 4 %. Die Zinsdifferenz von 1,25 % auf jede Tilgung p.a. wird gespart. Sind z.B. 50.000 € Sondertilgung möglich (aus einer fälligen Versicherung?), dann bedeutet das in jedem weiteren Jahr 625 € mehr in der Familienkasse.

Schuldenmachen in der Praxis um jeden Preis lohnt sich allerdings nicht: Ein Kontoüberziehungszins von 10 % und mehr ist auch nach Abzug einer Steuerersparnis höher als z.B. 4 % Zins p.a. für ein privates Baudarlehen!

 

Voraussetzung ist der gesicherter Steuerabzug der Darlehenszinsen: Zinsen sind steuerlich abzugsfähig, wenn sie auf die Finanzierung steuerrelevanter Sachverhalte entfallen. In Frage kommen u.a.

a)    Darlehen für Investitionen, die der Erzielung steuerpflichtiger Einnahmen dienen.

       (Beispiel Praxisgründung, Anschaffung von Praxisinventar, aber auch vermietete Immobilie).

b)    Finanzierung steuerlich relevanter laufender Praxisausgaben

       (Beispiel: Betriebsmittelkredit oder Überziehungskredit des laufenden Praxiskontos)

c)    Finanzierung von Werbungskosten bei vermieteten Objekten

 

Solange Einkünfte erzielt werden, bleiben die Zinsen auch steuerlich abzugsfähig. Im Fall b) gibt es allerdings eine wichtige Beschränkung: die Ausgabenfinanzierung für die Praxis führt nur begrenzt zum steuerlichen Zinsabzug, solange keine steuerlichen Überentnahmen vorliegen. Aber was ist im Fall des Verkaufs?

 

Nachträgliche Schuldzinsen bei Veräußerung von Vermögensgegenständen

Hier unterscheidet die Finanzverwaltung je nach steuerlicher Einkunftsart:

  • Bei den Überschusseinkünften (Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit, aus Vermietung und Verpachtung, Kapitalvermögen und eventuell sonstigen Einkünften) gilt: Darlehen für Anschaffungs- und Herstellungskosten sind nach Verkauf nicht mehr abzugsfähig. Mit Wegfall der Einkunftsquelle fällt auch der „steuerliche Veranlassungszusammenhang mit dem Darlehen“ weg.
  • Für Darlehen zur Finanzierung von Werbungskosten aus Überschusseinkünften gilt das aber nicht: sie bleiben steuerlich abzugsfähig, auch wenn eine Tilgung aus dem Verkaufserlös möglich wäre!

 

Beispiel: Verkauf eines fremdfinanzierten Mietshauses für 400.000 €, Restdarlehen aus Anschaffung 200.000 €, zusätzlich Darlehen für eine Dachsanierung von 60.000 €: Nach Verkauf sind Schuldzinsen auf das Darlehen von 200.000 nicht mehr abzugsfähig (Anmerkung: hierzu ist derzeit ein Verfahren vor dem BFH anhängig: Az. IX-R-67/10). Die Schuldzinsen auf das Darlehen von 60.000 € bleiben nachträglich abzugsfähig ( BFH v. 12.05.2005, IX-R-28/04).

 

  • Bei den Gewinneinkünften (Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb und selbständiger Tätigkeit) gilt: Bei Wegfall der Einkommensquelle bleibt der steuerliche Veranlassungszusammenhang gewahrt, allerdings nur soweit der Veräußerungserlös nicht zur Schuldendeckung ausreicht.

 

Beispiel: Verkauf eines Praxis-KFZ für 10.000 €, Rest-Finanzierung noch 15.000 €.
Der Erlös muss zur Rückführung der Schulden genutzt werden. Schuldzinsen auf die verbleibenden 5.000 € bleiben weiterhin steuerlich abzugsfähig!

 

 

Darlehen und Praxisverkauf

Besonders problematisch sind noch bestehende Restdarlehen beim Verkauf der Praxis und Eintritt in den Ruhestand, wie der folgende Fall zeigt:

 

Beispiel: Dr. Fritz, 60 Jahre, möchte nächstes Jahr seine Praxis verkaufen und sich zur Ruhe setzen. Er rechnet mit einem Erlös von 130.000 €, sein steuerliches Anlagevermögen ist abgeschrieben. Es sind noch Praxiskredite von 100.000 € vorhanden. Er geht davon aus, dass diese steuermindernd abgezogen werden können. Doch der Fiskus rechnet anders:

Veräußerungserlös                            130.000

Buchwerte                                                  0

Persönlicher Freibetrag                     -  45.000

Steuerpflichtiger Praxisgewinn           = 85.000

Steuersatz 23,52 %                          -  20.000 = Erlös nach Steuern 110.000

Die Schulden mindern nicht den steuerpflichtigen Verkaufserlös. Abzüglich Schuldentilgung verbleibt ihm nur noch eine Nettoerlös von 10.000 €. Tilgt er die Schulden nicht, so sind die Zinsen steuerlich nicht mehr abzugsfähig!

 

Welche Strategie ist nun die richtige?

Mit der richtigen Tilgungsstrategie für private und betriebliche Darlehen kann im Laufe eines tätigen Zahnarztlebens einiges an Steuern gespart werden. Es lohnt sich, Praxisdarlehen stehen zu lassen, solange es noch private Darlehen gibt oder eine bessere Geldanlage nicht verfügbar ist. Wichtig ist jedoch zu jedem Zeitpunkt, die Gesamtverschuldung nicht aus den Augen zu verlieren. Im Ruhestand sollten dann alle Darlehen zurück geführt sein.

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