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Darlehen innerhalb der Familie– nun steuerlich vereinfacht

25-03-2014 17:21

Darlehensverträge sind wie alle Verträge zwischen nahen Angehörigen steuerlich anzuerkennen, wenn sie klar und eindeutig vereinbart, tatsächlich durchgeführt werden und einem Fremdvergleich standhalten. Die Finanzämter versuchen gerne, diese Vereinbarungen steuerlich „zu kippen“, da sie erhebliche Steuervorteile bieten:

  • Die Zinsen sind Betriebsausgaben der Praxis.
  • Die Zinserträge sind zwar steuerpflichtige Einnahmen des Darlehensgebers. Da minderjährige oder in Ausbildung befindliche Kinder aber kein Einkommen haben, bleiben die Zinsen letztlich steuerfrei. Unerheblich ist dabei, dass bei Verwandtendarlehen anstelle der günstigen Abgeltungssteuer der normale tarifliche Steuersatz gilt.

Doch die von den Finanzämtern aufgestellten Voraussetzungen sind oft überzogen. Der BFH hat nun klargestellt, dass bei der Prüfung der Fremdüblichkeit solcher Verwandtendarlehen großzügigere Maßstäbe anzulegen sind, wenn der Vertragsschluss unmittelbar durch die Erzielung von Einkünften veranlasst ist (BFH, Urteil v. 22.10.2013 - X R 26/11).

Im entschiedenen Fall erwarb ein Bäcker von seinem Vater umfangreiches Betriebsinventar. In Höhe des Kaufpreises gewährte der Vater ein verzinsliches Darlehen; diese Forderung trat der Vater sogleich an seine Enkel, die minderjährigen Kinder des Klägers ab. Der Darlehensvertrag wurde auch vom Finanzgericht nicht anerkannt, da er ein Stehenlassen der jährlichen Zinsen, eine kurzfristige 6-monatige Kündigungsmöglichkeit und das Fehlen von Sicherheiten vorsah. Das sei nicht fremdüblich. Dem ist der BFH nicht gefolgt und hat die Steuer-Regeln für Darlehen zwischen nahen Angehörigen so präzisiert:

  1. Ein Fremdvergleich aller Konditionen ist immer dann zwingend, wenn die Geldmittel dem Darlehensgeber zuvor vom Darlehensnehmer geschenkt worden sind. Dient das Angehörigendarlehen aber der Finanzierung der Anschaffungs- oder Herstellungskosten von Wirtschaftsgütern, die der Einkünfteerzielung dienen (Praxis, Vermietung), tritt die Bedeutung der Unüblichkeit einzelner Klauseln des Darlehensvertrags zurück. Entscheidend sind die tatsächliche Durchführung der Zinsvereinbarung und die fremdübliche Verteilung der Vertragschancen und -risiken.
  2. Bei Darlehensverträgen zwischen Angehörigen hat der Schuldner ein Interesse an der Erlangung zusätzlicher Mittel außerhalb einer Bankfinanzierung, aber auch der Gläubiger ein Interesse an einer gut verzinslichen Geldanlage. So kann beispielsweise das Fehlen von Sicherheiten jedenfalls bei kurzfristiger Kündigungsmöglichkeit durch einen höheren Zinssatz ausgeglichen werden.

Beispiel für die Ersparnis durch ein Darlehen der eigenen Kinder:

Darlehen, rückzahlbar in gleichen Jahresraten von 10.000 €                                 100.000 €

Zinssatz p.a. 4 %, das macht bei einer durchschnittlichen Darlehenshöhe von 50.000 €

Zinsen von durchschnittlich 2.000 € x 10 Jahre                                                      20.000 €

Steuerersparnis des Praxisinhabers 45 %                                                              9.000 €

Das sind steuerfreie Einkünfte bei den Kindern, soweit der Grundfreibetrag von 8.400 € nicht überschritten ist.

 

Das müssen Sie zukünftig beachten:

  • Darlehensverträge mit Angehörigen müssen schriftlich gefasst sein, und sollten alle üblichen Kondititionen eines Darlehens enthalten, so Zinsen, Laufzeit, Rückzahlung und auch Sicherheiten.
  • Werden die Darlehensmittel vorab geschenkt, möglicherweise sogar in zeitlichem Zusammenhang mit der Darlehensgewährung, so sind muss streng auf die Einhaltung aller fremdüblichen Konditionen geachtet werden. Abweichungen wie z.B. fehlende Sicherheiten, unübliche Zahlungsweise o. ä. müssen unbedingt vermieden werden.
  • Verfügen die Kinder aber bereits über eigene Mittel, z.B. durch vorherigen Schenkungen der Eltern oder Schenkung/Erbe von Großeltern, und wird das Darlehen dann zur Finanzierung von Praxisanschaffungen (oder auch vermieteten Immobilien) verwendet, so sind einzelne Abweichungen vom Fremdüblichen steuerlich kein Problem. Eltern sind gut beraten, ihren Kindern frühzeitig und laufend Geld zu schenken, oder auch auf deren Namen Versicherungskapital anzusparen, das dann später als Darlehen gewährt werden kann. Die Rückzahlung solcher Darlehen zuzüglich Zinsen steht dann zur Ausbildungsfinanzierung zur Verfügung, der erhebliche Steuerspareffekt kommt hinzu.

 

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