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Blickpunkt Praxisabgabe

14-04-2010 08:00

Den Altersruhestand sollte man früh genug planen, um einen wirtschaftlich optimalen Nettogewinn als Baustein zur Altersversorgung zu erzielen. Lesen Sie hier neues und bekanntes zum Praxiswert und zu den Steuern bei Praxisveräußerung.

 

Praxiswertermittlung – die neue Ärztekammermethode

Der Wert einer Zahnarztpraxis besteht aus dem materiellen Wert des Inventars und dem immateriellen Wert für alle nicht greifbaren Faktoren wie Patientenstamm, Standort, gute Organisation und vieles mehr. Der immaterielle Wert wurde lange mit 25 % des durchschnittlichen Umsatzes angesetzt. Nach den neuen Richtlinien der Bundesärztekammer vom 09.09.2008 gilt stattdessen eine zukunftsbezogene ertragswertorientierte Methode unter Einbeziehung der Kosten und einem alternativen Arztgehalt. Damit müssen Sie zukünftig rechnen:

 

Beispiel für eine Zahnarztpraxis mit KZBV Durchschnittsertrag:

     280.000€  zukünftig erzielbarer „übertragbarer“ Umsatz

 ./. 170.000 € zukünftige „übertragbare“ Kosten

=   110.000 € „übertragbarer“ Gewinn vor Steuern

./.   76.000 €  kalkulatorisches Arztgehalt

                     (bei Umsätzen unter 240 T€ für jede 25 T€ um 10 %Punkte zu kürzen)

=    34.000 € nachhaltig erzielbarer Gewinn X  Prognosemultiplikator (für Einzelpraxen 2 Jahre)

=    68.000 € ideeller Praxiswert, zuzüglich Substanzwert

                     (Zu- oder Abschlag von maximal 20 % für weitere wertbildende Faktoren )

 

Den Steuervorteil sichern – auf das spätere Verhalten kommt es an

Nur wer die Tätigkeit im bisherigen Umfeld im wesentlichen aufgibt, kommt in den Genuss von nur 56% des tariflichen Steuersatzes und des Freibetrags von bis zu € 45.000. Die Finanzrechtsprechung hat dazu enge Grenzen gesetzt:

  • Die Praxis oder der Praxisanteil muss im Ganzen veräußert werden. Nicht steuerbegünstigt ist die Veräußerung einer Teilpraxis, da die erforderliche organisatorische Trennung bei Arztpraxen im allgemeinen nicht vorliegt. Das wurde wiederholt von den Gerichten bestätigt, z.B. zum Verkauf einer Kassenarztpraxis mit Fortführung der Privatpraxis, oder zuletzt zur Veräußerung einer Radiologiepraxis, wenn die zuvor schon ausgeübte, nicht organisatorisch getrennte Akupunkturbehandlung durch den Arzt weiterbetrieben wird (Schleswig-Holsteinisches FG 25.10.2006)  Ein Allgemeinmediziner kann jedoch steuerbegünstigt seine Praxis veräußern, und weiterhin als Betriebsarzt tätig sein, wenn dieser Tätigkeit die notwendige organisatorische Selbstständigkeit zukommt (FG Saarland, Urteil vom 30.3.2006, Az. 1 K 401/02).
  • Die Steuerbegünstigung setzt voraus, dass die  Tätigkeit mit dem bisherigen Patientenstamm weitgehend beendet wird. Dies gilt z.B. nicht bei Verkauf einer Allgemeinarztpraxis und Neueröffnung einer Praxis für Naturheilkunde innerhalb von drei Monaten in derselben Gemeinde (FG Saarland vom 30.03.2006). Unschädlich für die Steuerbegünstigung ist die Behandlung der bisherigen Patienten in geringem Umfang (Grenze von 10 % der bisher erzielten Honorare). Auf die Hinzugewinnung neuer Patienten nach der Betriebsaufgabe sollten Sie jedoch verzichten; dies könnte auch ohne Überschreiten der 10-Prozent-Grenze die Steuerbegünstigung nachträglich kippen (Oberfinanzdirektion Koblenz vom 15.12.06, S-2249-A-St-31/1).
  • Nicht steuerschädlich ist eine Angestelltentätigkeit oder Vertretertätigkeit in der bisherigen Praxis (zuletzt bestätigt durch BFH-Beschluss vom 17.07.2008, Az. X R 40/07). Bei Tätigkeit als freier Mitarbeiter wird oftmals eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit vorliegen. Sie sind zwar mit Bezug der Versorgungswerk-Rente nicht mehr rentenversicherungspflichtig, unterliegen aber der Kranken- und Pflegeversicherung sowie Arbeitslosenversicherung ohne Einschränkungen. Dies sollte man vorher planen.

 

Der Steuervorteil wird nur einmal im Leben gewährt

Seit 2001 gibt es die Steuervergünstigung ab einem Lebensalter 55 oder bei dauernder Berufsunfähigkeit nur für einen einzigen Veräußerungsvorgang. Bei Übergangsgemeinschaftspraxen von Senior und Junior wird häufig eine Veräußerung in mehreren Schritten vereinbart. Auch wenn dies aus Sicht des Seniors ein einheitlicher wirtschaftlicher Vorgang ist, so kommt er nur beim letzten Veräußerungsvorgang in den Genuss der Steuerbegünstigung (gerade noch einmal bestätigt durch den BFH mit Beschluss vom 11.12.2008, Az. VIII B 38/08). Wenn möglich, sollten Sie daher die Übertragung von Praxiswerten weitestgehend auf den endgültigen Ausstieg verschieben.

 

Günstigsten Steuersatz erreichen

Der begünstigte Steuersatz (56 % des tariflichen Steuersatzes, maximal 23,52 % zuzüglich Soli und Kirchensteuer) wird in einem rechnerisch komplizierten Verfahren ermittelt. Mit geschickter Gestaltung der Einkünfte kann er das Minimum, nämlich den derzeit geltenden Eingangssteuersatz von 14 % erreichen. Hier ist Ihr Steuerberater gefragt. Denn es bedarf einer Einbeziehung aller individuellen Steuersachverhalte und Möglichkeiten, um diese einmalige Steuerchance optimal zu nutzen.

 

Gabriela R. Scholz

Steuerberaterin/Wirtschaftsprüferin

Sankt Augustin (Bonn)

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