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Aushilfslohn und Betriebliche Alterversorgung

14-04-2010 10:30

Die Anstellung des mitarbeitenden Ehegatten (meistens der Ehefrau) in der Zahnarztpraxis auf 400 Euro-Basis ist eine gängige und steuergünstige Gestaltung. Doch dabei bleibt die Altersversorgung des Ehepartners „auf der Strecke“. Denn nach weit verbreiteter Meinung auch von Versicherungsexperten kann man den Minijob nicht mit einer betrieblichen Altersversorgung kombinieren. Man kann doch und es lohnt sich!

 

Nach § 3 Nr. 63 ESTG sind Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung eines Arbeitsnehmers bis zu 4 % der jeweiligen Bemessungsgrenze der Rentenversicherung steuer- und sozialabgabenfrei (für 2010 2.640 €  pro Jahr). Die Grenze erhöht sich um weitere 1.800 € pro Jahr für Direktversicherungen nach dem 31.12.2004. Ein erheblicher Vorteil für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, der auch für Minijobs genutzt werden kann. Die Voraussetzungen im einzelnen:

 

  • Der Minijob ist das sogenannte erste Arbeitsverhältnis
    Neben dem Minijob besteht kein weiteres Arbeitsverhältnis. Bei Sozialversicherungspflichtigen Angestellten ist die Steuerklasse 6 von der Begünstigung ausgeschlossen.
  • Form des Versicherungsvertrages
    Begünstigt sind Versorgungszusagen an den Arbeitnehmer, damit also Beiträge, die vom Arbeitgeber/Praxisinhaber als Versicherungsnehmer für den Arbeitnehmer als versicherte Person geleistet werden. Seit 2005 sind nur noch Altersrentenverträge begünstigt, nicht mehr Einmalzusagen. 
  • Beitragszahlung durch den Arbeitgeber zusätzlich zum Gehalt
    Gewährt der Arbeitgeber zusätzlich zum Gehalt einen Beitrag für Altersversorgung, so ist dieser steuer- und sozialversicherungsfrei. Wenn das Minijob-Gehalt und der Beitrag zur Altersversorgung die 400 € -Grenze überschreiten, bleibt die Steuerbegünstigung des Minijob dennoch erhalten.
  • Beitragszahlung durch Gehaltsumwandlung
    Auch ein Gehaltsverzicht des Arbeitnehmers ist unproblematisch. Jeder sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer hat die Möglichkeit, Teile des vereinbarten Gehaltes nicht auszahlen zu lassen, sondern über den Arbeitgeber in eine Direktversicherung oder Unterstützungskasse einzuzahlen (Anspruch auf Entgeltumwandlung nach dem BetrAVG Gesetz über die betriebliche Altersversorgung). Diese Entgelte sind per Gesetz von der Steuer und der Sozialversicherung freigestellt, eine Ersparnis für Arbeitgeber und Arbeitnehmer.Diese Möglichkeit gilt auch für Beschäftigte, die nach der Gehaltsumwandlung bis zu 400,- € monatlich verdienen. Der Rest des Gehaltes ist dann als Minijob nicht mehr sozialversicherungspflichtig.
    Beispiel: (Quelle Geringfügigkeitsrichtlinie Stand Oktober 2009)
    Eine Bürohilfe vereinbart mit dem Arbeitgeber, dass dieser das Bruttogehalt in Höhe von 510 € ab Juni um 120 € mindert und in diesem Umfang eine Versorgungszusage zu Gunsten einer betrieblichen Altersversorgung abgibt.
    Die Bürohilfe ist geringfügig entlohnt beschäftigt, weil das Arbeitsentgelt von 390 € (510 ./. 120) nach der Entgeltumwandlung 400 € nicht übersteigt. Es besteht Versicherungsfreiheit in der Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung sowie keine Versicherungspflicht in der Pflegeversicherung. Der Arbeitgeber hat den Pauschalbeitrag zur Kranken- und Rentenversicherung zu zahlen.
  • Überversorgung ist bei ersten Arbeitsverhältnis „Minijob“ nicht gegeben
    Die betriebliche Altersversorgung insbesondere der Ehegatten wird durch Betriebsprüfer gerne auf eine unangemessene Überversorgung hin geprüft. Eine solche ist gegeben, wenn die spätere Rente 75 % der letzten Bezüge überschreitet oder die Versorgungsbeiträge insgesamt mehr als 30 % des Gehaltes ausmachen. Das führt dann zur Kürzung der Betriebsausgaben auf einen angemessenen Betrag.
    Inzwischen haben die Finanzbehörden beschlossen, diese Regel nicht für Beiträge in Höhe der Höchstgrenzen des § 3 Nr. 63 ESTG und insbesondere auch nicht für Ehegattenarbeitsverhältnisse anzuwenden ( (Finanzministerium Saarland 7.03.2005 B/2-4-49/2005-S 2333). Damit ist der Weg frei für eine Altersversorgung der Minijobber.

 

Steuerersparnis am Beispiel Gehaltsumwandlung (€ pro Monat)

(A) Ohne Alterversorgung

(B) Mit

Altersversorgung

Gehalt des Ehegatten monatlich

770

770

Verzicht auf Gehalt in Höhe Höchstbetrag § 3 Nr. 63, damit Minijobber

 

-370

400

Abzüge für Steuer und Sozialversicherung

- 170

0

Nettoauszahlung Arbeitnehmer

600

400

Nettobetrag Altersversorgung

0

370

Aufwand des Arbeitgebers vor Steuern

(A) Sozialversicherung -(B) 30 % Abgabe auf Minijob

940

890

Steuerersparnis 45 % (Spitzensteuersatz)

-423

-400

Nettoaufwand

517

489

Nettoplus für die Familien

+ 83

+ 281

Der Nettobezug des Ehegatten abzüglich dem Nettoaufwand des Praxisinhabers ergibt eine Ersparnis von knapp 200 € netto pro Monat; das macht auf eine Beitragsdauer von 20 Jahren immerhin 48.000 € netto aus. Ein wichtiger Beitrag zur Altersversorgung.

 

Gabriela R. Scholz

Steuerberaterin/Wirtschaftsprüferin

Sankt Augustin (Bonn)

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