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Arbeiten während der Elternzeit – was wird aufs Elterngeld angerechnet?

20-05-2014 13:12

Wieviel darf in der Elternzeit gearbeitet werden?

Während Sie Elterngeld bekommen, dürfen Sie wöchentlich bis zu 30 Stunden arbeiten. Das gilt auch für die beantragte Elternzeit, in der kein Elterngeld mehr gewährt wird.

 

Anrechnung von Einkommen während der Elternzeit

Leider gibt es keine Freibeträge. Sämtliches Erwerbs-Einkommen während des Elterngeldbezuges wird angerechnet, egal ob Einkünfte aus selbständiger Arbeit, Gewerbebetrieb oder Land- und Forstwirtschaft, selbst 450-Euro-Jobs. Auch so genannte Entgeltersatzleistungen werden berücksichtigt (zum Beispiel Arbeitslosengeld, Krankengeld). Das Elterngeld schmilzt dann ab auf 65 Prozent der Differenz zwischen dem Teilzeitgehalt und dem Einkommen vor der Geburt, maximal 2700 Euro. Für Geringverdiener gilt der entsprechend höhere Prozentsatz.

  

Beispiel: Bei einem monatlichen Nettoeinkommen vor der Geburt von 1.200 Euro beträgt das Elterngeld 65 % oder 780 Euro im Monat. Ein Teilzeit-Nettogehalt von 500 Euro reduziert das Elterngeld auf monatlich 455 Euro (1200 -500 = 700 Euro x 65 %=455 Euro). Das Gesamteinkommen einschließlich Teilzeit beträgt 955 oder nur 175 Euro mehr!

 

Nicht angerechnetes Einkommen

Nicht einbezogen werden nach Bundeselterngeldgesetz (BEEG) folgende gezahlte Vergütungen während der Elternzeit. Sie wirken sich nicht auf den Elterngeldanspruch aus, kürzen aber später auch nicht das gewährte Elterngeld. Das kann für eine Teilzeittätigkeit während der Elternzeit genutzt werden.

 

  • nachgezahlte Einkünfte für eine Tätigkeit vor Beginn der Elternzeit (z.B. Urlaubsabgeltung). Leider gilt das nicht für Selbständige: hier werden auch Einnahmen aus Tätigkeiten vor der Geburt voll angerechnet!
  • steuerfreie Bezüge im Sinne des Einkommensteuergesetz: dazu zählen unter anderem die Sachzuwendungen anlässlich Geburtstagen, die Sachbezüge bis zu 44 Euro monatlich oder die Gestellung von Handy oder Telefon, die Beiträge zur Altersversorgung.
  • Bezüge, die aufgrund besonderer Vorschriften anders besteuert werden. Zu nennen sind insbesondere Sachbezüge, KFZ-Gestellung, Erholungsbeihilfen.

 

Bsp. Anrechnung einer KFZ-Gestellung als Option

Wird ein KFZ für die private Nutzung gestellt, so hat der Arbeitnehmer dies nach der 1 %-Regelung (eventuell zuzüglich eines Pauschbetrages für die Fahrten Wohnung-Arbeitsstätte) zu versteuern, und zwar unabhängig von den tatsächlichen Kosten und der Höhe der privaten Nutzung. Diese Regelung gilt auch während der Elternzeit, so das Landessozialgericht Baden-Württemberg (am 22.01.2013, L 11 EG 1721/12).

 

Beispiel: Das KFZ (angemeldet auf den Praxisinhaber) hat monatliche Kosten von 500 Euro, die alle von der Praxis bezahlt werden (direkt oder durch Erstattung aus der Praxiskasse). Der Listenpreis beträgt 15.000 Euro. Gearbeitet hat die Arbeitnehmerin  58 Stunden im Monat für einen Stundenlohn von 6 Euro. Das bisherige Netto betrug 1200, das Elterngeld 65 % oder 780 Euro.

 

Bruttogehalt während der Elternzeit                               350

Private KFZ-Nutzung nach der 1 % Regel                        150

Abzüge für Sozialversicherung, keine Lohnsteuer           -100

Nettogehalt (anrechnungspflichtig)                                 500

 

Das neue Elterngeld beträgt 1.200 – 500 = 700 x 65 % = 455. Die Helferin hat nun ein Netto aus der Lohnabrechnung von 250 und ersparte KFZ-Kosten von 500  = 750. Zuzüglich gemindertem Elterngeld von 455 hat sie 1.205 monatlich zur Verfügung , und damit netto 425 Euro mehr durch die Teilzeit.

Wenn der Arbeitgeber nun auch noch freiwillige zusätzliche Leistungen wie monatlichen Sachbezug bis 44 Euro und Übernahme der Mobiltelefonkosten leistet, dann wird die Teilzeit so richtig interessant.

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