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Anstellung volljähriger Kinder vereinfacht

06-02-2011 17:59

Durch Anstellung der eigenen Kinder in der Praxis – sei es als Minijobber oder auf Lohnsteuerkarte- ergeben sich für den Praxisinhaber steuermindernde Betriebsausgaben. Das Kind selbst zahlt aufgrund der geringen Einkünfte und der steuerlichen Freibeträge meist keine Steuern und kann aus der Vergütung z.B. die Berufsausbildungskosten bestreiten. Denn diese bleiben nach derzeitiger Rechtslage sonst steuerlich unberücksichtigt.

 

Doch das Steuermodell hat derzeit noch Grenzen: Nach der heutigen Gesetzeslage haben die Eltern volljähriger Kinder, die sich noch in der Berufsausbildung befinden, nur dann Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibetrag, wenn die Summe der Einkünfte und Bezüge des Kindes 8.004 € im Jahr nicht übersteigt. Solange die Kinder minderjährig sind, ist diese Einkommensgrenze nicht relevant. Die Einkommensgrenze wird mit umfangreichen Abfragen in der Anlage „Kind“ der Einkommensteuererklärung, wie auch durch die Kindergeldkasse beim Antrag auf Kindergeld ab Vollendung des 18. Lebensjahres überprüft.

 

Überschreitung mit „Fallbeilwirkung“

Wird die Einkommensgrenze von 8004 € nur um einen Euro überschritten, fallen Kindergeld und Kinderfreibetrag insgesamt weg, beim derzeitigen Kindergeld von 2.208 € bzw. Kinderfreibetrag von 7.008 € ein empfindlicher Verlust. Kein Wunder, dass bis heute zahlreiche Verfahren zur Berechnung der Einkünfte und Bezüge die Finanzgerichte beschäftigt haben und noch weitere anhängig sind.

 

So rechnet das Finanzamt:

Zu den Einkünften zählen alle einkommensteuerpflichtigen Einkünfte im Sinne des Einkommensteuergesetzes: relevant sind bei Kindern insbesondere die Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit (Gehalt auf Lohnsteuerkarte abzüglich der tatsächlichen Werbungskosten), Kapitalvermögen und Vermietung, aber auch eventuelle Einkünfte aus Gewerbebetrieb oder steuerpflichtigen Renten.

 

Zu den Bezügen rechnen aber auch die nicht steuerpflichtigen Einkünfte, die zur Bestreitung des Unterhalts und der Berufsausbildung geeignet sind, also

  • Nicht steuerbare Einnahmen aller Art
  • Die Werbungskostenpauschale für Arbeitnehmer
  • Lohnersatzleistungen wie Arbeitslosengeld, Elterngeld usw.
  • steuerfreie Einnahmen z.B. Handygestellung, Kindergartenzuschuss usw.
  • und insbesondere pauschal versteuerter Arbeitslohn, z.B. aus einem Minijob

 

Abgezogen werden darf das faktisch nicht verfügbare Einkommen, unter anderem

  • notwendige Versicherungsbeiträge: bei Gehaltsabrechnung der Arbeitnehmer-Anteil zur Sozialversicherung oder der vergleichbare Beitrag zur privaten Kranken- und Pflegeversicherung
  • der ausbildungsbedingte Mehrbedarf z.B. Studienkosten, Kosten auswärtiger Unterbringung, Fahrtkosten zum Studienort und ähnliches

 

Wegfall der Einkommensgrenze durch das Steuervereinfachungsgesetz 2011

Nach dem Willen des Gesetzgeber soll das streitanfällige Rechenverfahren ab 01.01.2012 der Vergangenheit angehören: Für alle volljährige Kinder in der Schul- oder Berufsausbildung verzichten Familienkasse und Finanzamt zukünftig bei der Festsetzung des Kindergelds oder der steuerlichen Berücksichtigung der Sprösslinge auf eine Einkommensprüfung. Die Entlastung soll mit rd. 200 Mio. € zu Buche schlagen. Damit entfällt die schwierige Deklaration der „Einkünfte und Bezüge“ ersatzlos und die Anlage Kind wird auf eine Seite reduziert.

 

Ausgenommen von der Neuregelung bleiben jedoch 3 Fällen einer schädlichen Erwerbstätigkeit des volljährigen Kindes

  1. nach Abschluss einer erstmaligen Berufsausbildung,
  2. in einer Übergangszeit von 4 Monaten zwischen zwei Ausbildungsabschnitten, oder
  3. wenn eine Berufsausbildung mangels Ausbildungsplatzes nicht begonnen oder fortgesetzt werden kann.

Unschädlich bleiben diese Einkünfte auch dann, wenn die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit unter 20 Stunden liegt oder ein Minijob mit Einkünften bis zu 400 € monatlich vorliegt.

 

Bewährtes Steuersparmodell für die Familie noch interessanter

Die Anstellung der eigenen, in der Berufsausbildung befindlichen Kinder, insbesondere für qualifizierte und höher vergütete Arbeiten wird deutlich einfacher. Die Vergütung kann ab 2012 ausschließlich danach vereinbart werden, was Sie einer fremden Arbeitskraft zahlen würden, ohne Gefahr für Kindergeld oder –freibetrag. Nutzen Sie dabei auch, wie für Ihre übrigen Arbeitnehmer die Möglichkeit steuerfreier Zuwendungen. Der Gesetzgeber macht damit Familien mit studierenden Kindern ein schönes Steuergeschenk!

 

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