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Aktuelle Umsatzsteueränderungen für die Zahnarztpraxis

13-06-2015 11:00

Das Grundproblem

Zahnarztpraxen sind immer im Zweifel, welche ihrer Leistungen umsatzsteuerpflichtig sind und welche nicht. Wird die Grenze von 17.500 Euro pro Jahr überschritten (Kleinunternehmerregelung), muss eine Praxis spätestens im darauffolgenden Jahr Umsatzsteuer anmelden. Auch die Betriebsprüfer des Finanzamtes achten verstärkt auf dieses Thema.

 

 

Das unterliegt der Umsatzsteuer

Steuerfrei sind „Heilbehandlungen“ im Sinne des § 4, Nr. 14 USTG. Nicht dazu zählen die in der Praxis hergestellten Zahnprothesen oder kieferorthopädischen Apparate, die an den Patienten ausgeliefert werden (sogenannte Eigenlaborleistungen, insbesondere auch mittels CEREC-Einsatz). Dazu gehören Füllungen

(Inlays), Dreiviertelkronen (Onlays) und Verblendschalen für die Frontflächen der Zähne (Veneers) aus Keramik.

Steuerfrei bleiben jedoch die Pauschbeträge oder die tatsächlich entstandenen Kosten für Abformmaterial, Hülsen zum temporären Schutz beschliffener Zähne, nicht individuell hergestellte provisorische Kronen, Material für direkte Unterfütterungen von Zahnprothesen oder gesondert berechnete Implantatteile, da sie zur zahnärztlichen Heilbehandlung gehören.

Aber Vorsicht bei der Rechnungsstellung an den Patienten: Die berechneten Materialien und Teile dürfen nur mit dem Bruttowert, also ohne offenen Umsatzsteuerausweis, weiterbelastet werden.

 

Beispiel: Implantatteile werden für 1284 Euro einschließlich Umsatzsteuer eingekauft. Auf der Rechnung des Patienten sollte stehen – Summe Material: 1284 Euro. Würde hier ausgewiesen – Summe Material: 1200 Euro zuzüglich Umsatzsteuer 84 Euro, so würde dieser formelle Fehler Umsatzsteuerpflicht auslösen.

 

Ebenfalls umsatzsteuerpflichtig sind der Prophylaxeartikel-Verkauf, die Erstellung von Gutachten für Berufsgenossenschaften, Versicherungen und Ähnliches, sonstige praxisfremde Entgelte, zum Beispiel für Werbemaßnahmen (etwa Patienten-TV), schriftstellerische oder Vortragstätigkeit sowie eine ehrenamtliche

Tätigkeit unter bestimmten Umständen. Auch die Weiterberechnung von Personal- und Organisationskosten an andere Zahnärzte gehört zu den umsatzsteuerpflichtigen Leistungen, wenn keine Praxisgemeinschaft vorliegt.

Für ästhetische Leistungen wie Bleaching oder das Anbringen von Zahnschmuck war seit dem Urteil des EUGH (2000) ebenfalls von einer umfassenden Umsatzsteuerpflicht auszugehen. Das ändert sich nun.

 

Einschränkung für Bleaching

Der Bundesfinanzhof hat (am 19.03.2015, Az. V R 60/14) entschieden, dass Bleachings, die ein Zahnarzt zur Beseitigung behandlungsbedingter Zahnverdunklungen vornimmt, umsatzsteuerfreie Heilbehandlungen sind. Zu den nach § 4 Nr. 14 des Umsatzsteuergesetzes befreiten Leistungen gehören auch „medizinische Maßnahmen ästhetischer Natur zur Beseitigung negativer Folgen einer Vorbehandlung“. Voraussetzung ist jedoch der sachliche Zusammenhang mit der vorherigen steuerfreien Zahnbehandlung. Im Streitfall hatte die Klägerin – eine Zahnarztgesellschaft – im Anschluss an Wurzelbehandlungen bei einigen Patienten Zahnaufhellungen an zuvor behandelten Zähnen durchgeführt. Das Finanzamt setzte Umsatzsteuer fest, was der BFH jedoch ablehnte.

 

Damit fallen nur noch die reinen Bleachings ohne Vorbehandlung unter die Kategorie „Umsatzsteuer“. Die Mehrzahl der Bleachings wird jedoch im Rahmen einer weiteren Heilbehandlung anfallen und damit umsatzsteuerfrei sein.

 

Auch für Goldeinkauf keine Umsatzsteuer mehr

Seit dem 1. Januar 2011 mussten Zahnärzte beim Goldeinkauf die Umsatzsteuer für den Lieferanten übernehmen und an das Finanzamt abführen, auch wenn sie selbst nicht umsatzsteuerpflichtig waren (sogenannte umgekehrte Steuerschuldnerschaft oder Reverse-Charge-Verfahren). Diese unsinnige und belastende Rechtslage wurde nun per Gesetz eingeschränkt, allerdings nur für Käufe nach dem 31. Dezember 2014. Nur wenn der Einkauf mehr als 5000 Euro beträgt, muss die Umsatzsteuer auf den Einkaufswert abgeführt werden, sonst bleibt der leistende Unternehmer der Steuerschuldner.

 

Diese aktuellen Entwicklungen dürften vielen Betriebsprüfern den Wind aus den Segeln nehmen, die wegen entsprechender interner Schulung nach Umsatzsteuermehrergebnissen in den Ausgangsrechnungen suchen. Dennoch muss zum Jahresbeginn immer die Eigenlaborliste geprüft werden, ob die Grenze von 17.500 Euro im vergangenen Jahr unterschritten wurde. Eine Umsatzsteuerpflicht ist dann kein Problem, wenn sie der

Zahnarzt kennt.

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