Steuerberatung Scholz > Steuerinformationen

 

Blickpunkt Bewirtungskosten

11-12-2014 17:57

DFZ Steuern

Blickpunkt Bewirtungskosten
Zwei Aspekte des leidigen Themas “Bewirtungskosten“ sind durch aktuelle Rechtsentwicklungen in den Vordergrund getreten: Darf ein Chef seine „runden“ Geburtstage auf Kosten des Finanzamtes feiern? Ist die Kürzung um 30 % überhaupt zulässig?

Auch der Chef darf feiern – Regeln für einen Bewirtungskostenabzug
Wird ein runder Geburtstag mit Kunden, Geschäftspartnern und Mitarbeitern gefeiert, so geht das Finanzamt meist davon aus, dass es sich um eine private Veranlassung handelt. Der Abzug von Bewirtungskosten wird versagt. Das muss nun hinterfragt werden.
Schon im Jahr 2008 hat der BFH entschieden (10.7.2008, Az. VI-R-26/07), dass Bewirtungsaufwendungen eines Arbeitnehmers anlässlich eines persönlichen Ereignisses  Werbungskosten sind, wenn sich aus den übrigen Umständen des Einzelfalls die berufliche Veranlassung der Feier ergibt.
Nach dem aktuellen Urteil des Finanzgerichts Saarland (Az 1 K 1332/12) sind  Bewirtungen des Chefs aus persönlichem Anlass steuerlich genauso zu beurteilen wie Bewirtungen von angestellten Arbeitnehmern. Bei Übertragung der vom BHF hierzu entwickelten Grundsätze auf eine Zahnarztpraxis sichern folgende Aspekte die steuerliche Absetzbarkein:
1.    Als Gastgeber sollte die Zahnarztpraxis auftreten, was durch die Einladungskarte nachgewiesen wird.
2.    Die Gästeliste sollte vor allem Kollegen, Geschäftsfreunde, Patienten, Personen des öffentlichen Lebens, Mitarbeiter, aber kaum private Gäste enthalten.
3.    Der Veranstaltungsort ist ein wichtiges Indiz: Bei einer Feier in der eigenen Praxis ist der Steuerzusammenhang eher gegeben, als bei einer Veranstaltung in einer Gaststätte oder gar zu Hause. Von Vorteil ist auch ein organisierter Einblick in die Praxisabläufe.
4.    Die Feier sollte keinen privaten Charakter haben und die Aufwendungen sollten sich im Rahmen vergleichbarer Praxisveranstaltungen halten.
Wenn nach diesen Kriterien grundsätzlich ein beruflicher Zusammenhang besteht, kann auch ein Kostenanteil für die rein privaten Gäste schätztweise herausgerechnet werden und der große Rest bleibt Betriebsausgabe, so auch das Finanzgericht Saarland.

Streit um die Kürzung von 30 % - Einspruch einlegen
Mit der sogenannten „Koch-Steinbrück-Liste“ wurde im Jahr 2004 die Kürzung der Bewirtungskosten von 20 auf 30 % erhöht. Es gibt jedoch schon länger Zweifel, ob das entsprechende Gesetz überhaupt ordnungsgemäß zustande gekommen ist. Diese Frage, und damit die Kürzung um weitere 10 %, ist seit dem 22.07.2013 beim Bundesverfassungsgericht anhängig (Az. 2 BvL 4/13).
Die Finanzverwaltung ist nun angewiesen worden, dass in allen verfahrensrechtlich „offenen“ Steuererklärungen 2004-2010 bei Einspruch ein Ruhen des Verfahrens eintreten soll. Auch soll in diesem Punkt auf Antrag Aussetzung der Vollziehung gewährt werden. Für Zeiträume ab 2011 wird es eine grundsätzliche verfassungsgemäße Neuregelung geben, daher würden Einsprüche hier abgelehnt.
Wenn man höhere Bewirtungskosten in der Gewinnermittlung geltend gemacht hat, so lohnt sich die Prüfung von Rechtsmitteln, um die streitigen 10 % der Bewirtungskosten vielleicht noch zu retten. Man muss allerdings abwägen, ob die Gefahr einer Änderung „zu Ungunsten“ für die alten Steuerjahre besteht. Denn bei Einspruch ist ein Steuerfall wieder völlig offen.
Für die Bewirtung von Mitarbeitern gelten andere Steuerregeln
Die Bewirtung von Mitarbeitern ist im Steuerrecht gänzlich anders geregelt als die Bewirtung von „Nicht-Praxiszugehörigen“. Da Mitarbeiterbewirtung  immer Betriebsausgaben ohne jede Kürzung sind, darf man beide Aufwendungen auch nicht vermischen!
Fraglich ist nur, ob Lohnsteuer oder Sozialversicherung für den Mitarbeiter anfallen. Das wiederum richtet sich nach dem Anlass der Bewirtung. Teilnahme an Betriebsveranstaltungen (Ausflug, Weihnachtsfeier, aber auch Praxisveranstaltung) oder die Bewirtung anlässlich Fortbildungen sind in der Regel abgabenfrei. Die Gestellung von Verpflegung ist es nicht, allerdings gilt es hierzu eine günstige Versteuerung durch den Arbeitgeber.
Bewirtungen sind und bleiben ein spannendes Thema. Es bieten sich viele steuerliche Gestaltungspielräume, die man nutzen sollte.

Zurück